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Sollten Dir diese einleitenden Worte zu merkwürdig oder doof vorkommen, dann   







Das ist ja das Schöne am Internet, der größten "Informationsmüllhalde" der Welt: Ein Mausklick genügt, um etwas nicht lesen oder anschauen zu müssen!




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Immer, wenn der kalte, in Deutschland oft schneearme und triste Winter endlich vorbei ist, zieht es die Kassel-Family gen Süden:

"BIN  MÜDE UND LEER - SCHON SO LANG - WILL NACH SÜDEN ANS MEER - SCHON SO LANG" (so beginnt ein altes Fahrenslied aus dem vorletzten Jahrhundert)

Eine trotz Massentourismus immer noch schöne Gegend ist die Mittelmeerinsel Sardinien. Dort waren wir letztens einen Sommer lang mit Kajak- und Segelausrüstung unterwegs. Die Segelstory "Nur Fliegen ist schöner" findet man unter www.Grabner-Sports.at in der Rubrik "Reiseberichte"                       

Das Beste am Seekajak-Revier gleich vorneweg: Jeden Tag Sonne – herrlich klares und warmes Badewasser – türkisblaues Meer – fantastische Strände – einzigartige Steilküste.

Der Nachteil: Das wissen auch andere Sardinien-Urlauber zu schätzen – daher im Hochsommer nicht überall idyllisch und einsam.

Das Zeitalter des Tourismus begann auf Sardinien, als der orientalische Ismailiten-Prinz Aga Khan 1960 während einer Kreuzfahrt die Mittelmeerinsel für sich entdeckte. Er kaufte einfach einen 55 Kilometer langen Küstenstrich und bebaute ihn mit Hotels und luxuriösen Ferienanlagen für die Schönen und Reichen der Welt. Seitdem existiert die von ihm so benannte „Costa Smeralda“. Doch da muss man nicht zwingend  seinen Sardinien-Urlaub verbringen. Denn weite Bereiche der 1840 Kilometer langen Küstenlinie sind bis heute schön und ursprünglich geblieben. So ist Sardinien als lohnendes Reiseziel auch Leuten zu empfehlen, die es billiger, einfacher und natürlicher mögen. Mit Kajak und Zelt auf glasklarem und in allen Blau- und Türkistönen schimmerndem Wasser das italienische Sardegna zu umrunden, gehört sicher zu den Paddel-Highlights im sonnigen Süden Europas.

                             Sommerurlaub im Süden – muss das sein?

Radikaler Rollenwechsel! In diesem Jahr dürfen – ausnahmsweise – meine Frau Astrid und unsere Tochter Samira alleine bestimmen, wo die Kajakreise im Sommer hingeht. Ich muss den gegen mich erhobenen Vorwurf entkräften:
„Erstens bestimmst du nur und zweitens willst du sowieso immer in den Norden.“
Das ist nicht ganz falsch und somit zeige ich mich großzügig und kompromissbereit:
„Also gut, diesmal dürft ihr. Das nächste Jahr bin ich aber wieder dran.“
 Das wird freudig akzeptiert und es dauert nicht lange, da kommt schon ein gezielter Vorschlag:
„Wir haben uns überlegt, wir wollen in den Süden auf eine sonnige Insel, am liebsten Sardinien. Anders als im letztes Jahr auf den eisigen Lofoten brauchen wir dort keine dicken Paddelanzüge, Handschuhe und Fleece-Klamotten, nur ein paar Bikinis und Badehandtücher.“

Verdammt, ich muss mühsam meinen spontanen Protest runterschlucken. Denn gegen Sommer im Süden bin ich allergisch. Affenhitze, Staus und Touristenrummel gehören nicht zu den Begleitumständen eines Urlaubs, wie ich ihn liebe. Mir schwant Übles, doch widerwillig stimme ich zu. Was tut man nicht alles für gutgelaunte Paddel-Frauen um sich herum.

Der Start nach Sardinien gestaltet sich dann tatsächlich auch so, wie ich es befürchtet habe. Drei Wochen vor Fahrtantritt fällt mir plötzlich ein, dass man in der Hauptsaison sicher eine Sardinien-Fähre frühzeitig reservieren muss, will man nicht Tage in einem stinkigen, heißen Hafen rumlungern und warten, bis was frei ist. Natürlich kommt mein Einfall viel zu spät, alle Fähren sind längst ausgebucht – bis auf eine. Das auf Sardinien spezialisierte Reisebüro TURISARDA kann uns noch einen letzten, preisgünstigen Platz auf dem Oberdeck einer LKW-Fähre anbieten. Die „Linea dei Golfi“ verkehrt zwischen der mittelitalienischen Industriestadt Piombino und der sardischen Hafenstadt Olbia. Der Nachteil dieser schon nicht mehr erwarteten Offerte: Die natürlich sofort von mir gebuchte Fähre startet an einem Donnerstag früh um 8 Uhr, nur wenige Stunden nach unserem Sommerferienbeginn am Mittwochmittag zuvor. Es wird eine nächtliche Hetzjagd im Campingbus mit schwer beladenem Kanuanhänger über die mit Lastern verstopfte Brenner- und Appennin-Autobahn – ohne Schlaf und Pause. Gerade noch pünktlich zum Einchecken sind wir da. Ansonsten wäre das bereits bezahlte Ticket verfallen.

Entnervt und schweiß-gebadet bugsiere ich unser Busgespann über eine schmale und steile Rampe aufs Oberdeck der stark verrosteten „Sardegna“. Ich hasse Rückwärts-fahren mit Hänger auf engem Raum und wild gestikulierende Deckseinweiser, deren rüde Befehle und Flüche ich nicht verstehe. Doch endlich steht das unhandliche Gefährt mit nagelneuen Schrammen und Beulen dort, wo befohlen.

Wir freuen uns auf eine entspannte und erholsame Schiffsreise, die acht Stunden dauern soll. Doch denkste: Unser Bus parkt in knalliger Mittelmeersonne direkt neben dem rußenden Schornstein und einem lautstarken Diesel-Gebläse. An Schlafen im Auto ist nicht zu denken und eine Schiffsbar mit Air-Kondition oder gar ein erfrischender Swimmingpool sind auch nicht im Billig-Fährpreis enthalten. Uns fehlt nicht nur ein minimaler Kreuzfahrtschiff-Luxus, sondern auch das Vertrauen in den klapprigen Kahn. Das beunruhigt mich aber nicht so sehr, denn sollte er absaufen, steigen wir gleich in die auf dem Hänger fertig gepackten Seekajaks um. Vorsichtshalber löse ich während der Überfahrt schon mal die Befestigungsgurte, damit wir bei Schiffbruch gleich lospaddeln können. Auf das obligatorische Anlegen unserer Schwimmwesten verzichten wir zunächst, da es dafür zu heiß ist. 

Entschädigung für die Anreisestrapazen kündigt sich an, als in der rötlichen Abendsonne endlich die herbeigesehnte Insel Sardinien mit ihren bizarren Bergkulissen, fjordähnlichen Buchten und weißleuchtenden Sandstränden aus dem tiefblauen Meer auftaucht. Als wir erleichtert – vorbei an der steil aufragenden  Felsinsel Tavolara – in den Golfo di Olbia einlaufen, bin ich gedanklich schon längst mit Kajak und Zelt unterwegs. Der Anblick der sardischen Küste ist äußerst vielversprechend und macht mich jetzt doch verdammt zapplig und paddelgierig. Vielleicht war es doch keine so schlechte Idee meiner Frauen, hier für sechs Wochen vor Anker zu gehen.

          Vom Winde verweht – unterwegs im stürmischen Norden

Eigentlich hätten wir gerne Sardinien mit Kajaks und Zeltgepäck umrundet. Doch dafür reichen selbst die kompletten Sommerferien nicht aus. So werden wir zunächst die Nord- und später die Ostküste erkunden. Im Norden lockt uns der PARCO NAZIONALE DELL’ARCIPELAGO DE LA MADDALENA an. Er besteht aus sieben größeren Inseln, von denen nur zwei ganzjährig bewohnt sind.

Als „Basislager“ wählen wir den Campingplatz „Isola dei Gabbiani“ bei Porto Pollo. Er breitet sich über die gesamte, sehr schöne Halbinsel I’Isuledda aus und ist fast vollständig von Wasser umgeben. Sieben Kilometer westlich der Hafenstadt Palau ermöglicht der auch bei Windsurfern sehr beliebte Platz in exponierter Lage den direkten Blickkontakt zum anvisierten Paddelrevier des Nationalparks.

Recht unerwartet – da mitten im Hochsommer – werden wir aber zunächst von einem steifen Wind gebremst, der das Meer zwischen den Inseln aufpeitscht. Sturmböen bis Windstärke 9 blasen uns den Frühstückskaffee aus den Tassen und Sandkörner aufs Brot. Auch ist mir gar nicht mehr sommerlich heiß wie erwartet. Der Maestrale, der zwischen Korsika und Sardinien durch die „Straße von Bonifacio“ pfeift, führt angenehm kühle Meeresluft heran. Astrid und Samira müssen sogar beim geliebten Schnorcheln und Baden im herrlich klaren Wasser ihre Bikinis gegen Neopren-Shorties austauschen.

An genussvolles Paddeln ist eigentlich sobald nicht zu denken. Erst für zwei Tage später kündigt der Seewetter-bericht, den wir über SMS per Handy immer aktuell empfangen, nachlassende Winde an. Ungeduldig wie wir sind, können wir das nicht abwarten und stechen alsbald mit Zeltgepäck und ausreichend Essens- und Trinkvorräten in die immer noch sehr bewegte See. Ich will einfach schnell weg von Zivilisationsmüll und vollen Campingplätzen – und träume wie gewohnt von einsamen Buchten auf unbewohnten Robinson-Inseln. Durch das Fernglas habe ich in den Tagen zuvor auf der gegenüberliegenden Insel Spargi menschenleere und verlockende Sandstrände entdeckt. Da wollen wir hin – doch auf direktem Weg ist das bei den vorherrschenden Winden, Wellen und Strömungen im Moment zu gefährlich. Wir müssen es weiter im Osten an der kürzesten Stelle zum Maddalena-Archipel versuchen und hoffen dabei auf Windschatten des vorspringenden Capo d’Orso und der Militärinsel S. Stefano.

Vorsichtig tasten wir uns nach rechts die steinige Küste entlang und bleiben nach Möglichkeit im Schutz vorspringender Halbinseln. Das klappt natürlich nicht immer. Im Norden Sardiniens wimmelt es nur so von „Capos“ und „Puntas“ – von Wind und Wetter fantastisch und skurril geformte Felsnadeln und Granitklötze, die weit ins Meer hinausragen. Das sind immer kritische Punkte – auch bei weniger starkem Wind –, wo das Meer Kapriolen schlägt. Es kocht und zischt dort und brodelt. Weiße Wasserfontänen explodieren wie Schneekanonen in beängstigende Höhen und in der umherfliegenden Gischt produzieren sich farbenprächtige Regenbögen. Steile Kreuzseen, heimtückische und gemeine Wellen von vorne, rechts, links und hinten – nicht selten zur gleichen Zeit – machen dem Paddler das Leben schwer. Da hilft nur weit raus auf offene See, wo die Wellen gleichbleibend und berechenbar laufen.

„Los, Astrid, paddel raus! Hau ab da!“

brülle ich meiner Frau zu, die im gut sichtbaren, gelben Einerkajak vorausfährt. Samira und ich folgen 50 Meter zurück in einem roten, kippstabilen Zweierkajak Doch bei dem Tosen und Spritzen hört Astrid nichts und sieht nichts und tappt jeden Moment in die weit geöffnete Kenterfalle hinein. Ich greife zur kreischenden Trillerpfeife, die selbst Flugzeuglärm übertönt, und endlich kapiert Astrid, was ich von ihr will. Gemeinsam ziehen wir ein gutes Stück raus aufs offene Meer und achten nun auf einen gebührenden Sicherheitsabstand zu den krachenden Höllenschlünden.

Nur hat man dort weiter weg von der Küste panische Angst, von den häufig verkehrenden Fährschiffen und den schnell flitzenden Monster-Yachten der Costa-Smeralda-Bonzen versenkt zu werden. Das ist in der Tat eine reale Gefahr, der wir in den kommenden Tagen sehr viel Beachtung schenken. Signalraketen, um pennende Kapitäne und Steuermänner auf unsere bescheidene Existenz hinzuweisen, sind griff- und feuerbereit vor mir im Decknetz verstaut. Doch ihr Einsatz wird nicht nötig, unsere gelb-roten Kajaks und signalfarbenen Schwimmwesten sind wohl auffällig genug. Auch halten wir uns nur nach sorgfältiger Rundumschau und nicht länger als nötig in belebten Schifffahrtsrinnen auf.

„Papa, ich werd’ ständig nass und mir ist saukalt.“

Samira hat recht, auch mir geht’s nicht anders. Schon nach zwei Stunden müssen wir in der geschützten  Sandbucht des kleinen Nobelortes Porto Rafael zitternd und frierend anlegen und T-Shirt, Bikini und Badehose gegen wind- und wasserdichte Paddelanzüge tauschen. Wer hätte das gedacht im sonnigen, heißen Süden? Doch stetiger Starkwind und permanente Nässe auf der Haut kühlen schnell aus, selbst bei hochsommerlichen Temperaturen von weit über 20° C.

Zwischen dem "Festland" und und la Maddalena herrscht ein reger Fährverkehr, wo man ein Loch zum Durchschlüpfen abpassen muss                                                                                                                                                                             

Wir nutzen die Pause, um in einem hübschen, strandnahen Dorfplatzcafe einen Cappuccino zu trinken und das Urlaubsdasein sichtbar wohlhabender Sardinien-Urlauber näher in Augenschein zu nehmen. Porto Rafael ist ein hübscher Retortenort im neosardischen Baustil. Der hat seinen Ursprung an der Costa Smeralda, wo man  offensichtlich weder Mühen noch Kosten gescheut hat, um originelle, der Landschaft angepasste Urlaubsbehausungen aus landestypischen Materialien zu bauen. Grob behauener Naturstein wird mit verputztem und weiß oder rosa gestrichenem Mauerwerk architektonisch sehr ansprechend kombiniert und in die felsige Hügellandschaft integriert. Viele Häuser weisen harmonische, runde Formen auf und überall blüht der beliebteste Zierstrauch Sardiniens – der leuchtend rote Oleander. Alles sehr nett anzuschauen, wären da nicht die lässig-gelangweilten Gesichter geschmackvoll-teuer gekleideter Feriengäste aus aller Welt und ihre rumkrakeelenden Kinder, die mit uns im Cafe bei diversen, exotischen Getränken und Speisen ihre Urlaubszeit absitzen. Während unsere Tochter Samira längst begeistert am idyllischen Sandstrand rumtobt und vergeblich nach potenziellen Spielkameraden Ausschau hält, meckern und nörgeln die Kids an den Nachbartischen am Essen und ihren Eltern rum. Wir zahlen schnell den hier üblichen dreifachen Preis für unseren Cappuccino und steigen wieder in unsere Kajaks. Um nichts in der Welt möchten wir mit diesen „armen“ Menschen tauschen. Wer es noch nicht wissen sollte, dass Reichtum nicht zwingend glücklich macht, der kann es hier und anderswo im Nordosten Sardiniens anschaulich studieren.

Der allmählich abnehmende Nordwestwind treibt uns an der Hafenstadt Palau vorbei, aus der im 20-Minuten-Takt Fähren nach Maddalena auslaufen. Es herrscht ein reger Pendelverkehr, denn von dort kommen sie gleich wieder zurück. Zwischen den schneeweißen Schiffen, von denen uns fröhliche Menschen zuwinken, erwischen wir ein Loch, durch das wir mit Vollgas durchschlüpfen können. Bald baut sich vor uns das Capo d’Orso auf. In seinem Windschatten hoffen wir einen ruhigen Lagerplatz für die Nacht zu finden. An eine Überfahrt zum Maddalena-Archipel ist heute nicht mehr zu denken. Doch erschrocken kratzen wir die Kurve, als wir an den Berghängen des windgeschützten Golfo delle Saline eine riesige Feriensiedlung im „Hasenkasten“-Baustil entdecken. Auch das gibt es auf Sardinien, doch zum Glück nicht so oft: hässliche Urlaubskasernen für den Massentourismus. Nichts wie weg hier! Doch auch der Blick  in den tiefen Golfo di Arzachena macht uns nicht an. Zu voll, zu verbaut oder unwegsam. Schon ziemlich spät am Abend kurz vor Sonnenuntergang kehren wir zurück zum Capo d’Orso, wo wir am Nachmittag eine winzige Sandbucht entdeckt haben, in der ein Fischerboot vor Anker lag. Schade, der kleine, blaue Holzkahn, von dem die Farbe blättert, liegt immer noch da. Aber ein alter, braungebrannter Sarde lädt uns freundlich zum Bleiben ein. Er hat wohl gleich erkannt, das wir in Not sind. Es ist sein „privater“ Hafen, den er mühsam von schweren Steinen befreit und mit kleinen Mauern befestigt hat. Der Mini-Strand bietet gerade Platz für unsere Kajaks und das Zelt, aber wir sind vor Wind und Wellen geschützt.

Mal wieder "Schwein" gehabt bei der Biwakplatzsuche, hier auf der unbewohnten Insel Spargi im Maddalena-Archipel

                   ENDLICH UNTERWEGS IM MADDALENA-ARCHIPEL 

Über Nacht ist der Wind eingeschlafen und früh am Morgen um sechs paddeln wir ohne Probleme in einer Stunde hinüber nach Maddalena, der Hauptstadt des Archipels. Alle Welt schläft noch und so sind wir wie erhofft fast alleine auf dem Wasser. Nur ein paar Fischerboote auf dem Heimweg kreuzen unseren Kurs. Im stinkigen Hafen von Maddalena legen wir an, um in einer schmuddligen Bar mit alten Fischern einen Morgenkaffee zur schlürfen. In den nächsten zwei Wochen kehren wir noch einmal hierher zurück, um unsere Vorräte an Essen und Trinkwasser aufzufrischen. Ansonsten umrunden wir nach und nach jede der sieben Inseln des Archipels. Wie der gesamte Norden Sardiniens ist die Inselwelt des Nationalparks hüglig und recht karg. Was im Frühsommer einst grün war, hat die Sommersonne verbrannt. Faszinierend sind die von Wind und Wasser vielfältig geformten Felsenküsten mit ihren zahlreichen Sandstränden und Badebuchten. Jetzt in der Hauptsaison wird die Inselwelt des Nationalparks tagsüber von zahlreichen Freizeitkapitänen mit Motorbooten und Segelyachten vom sardischen „Festland“ aus besucht. Im Frühsommer soll das anders und deshalb einsamer sein, lass ich mir von einem sardischen Paddler sagen. Aber uns stört es auch jetzt nicht, denn gegen Abend kehren alle in ihre geschützten Häfen, Fünf-Sterne-Hotels und Nobelbuden zurück. Die Inseln und Sandstrände gehören uns dann alleine. Wir bauen unser Zelt auf, wo es uns beliebt und genießen die schönsten Stunden des Tages. Nur Möwen und Kormorane leisten uns noch angenehme Gesellschaft.

Typisch für Nordsardinien und das Maddalena-Archipel sind die von Wasser und Wind fantasievoll geformten Granitfelsen, hier vor der unbewohnten Insel Spargi

Natürlich gibt es noch ein paar Erlebnisse der besonderen Art:

So kommt auf der Insel Spargi plötzlich unerwarteter Besuch ins nächtliche Lager. Eine Rotte Wildschweine bedrängt uns und hält uns in Atem. Zum Glück sind die meisten Essensvorräte in den Stauräumen der Kajaks gut verschlossen. Doch das wütende Grunzen und Quieken eines fetten Keilers direkt am hauchdünnen Zelt – nur wenige Zentimeter von unseren Köpfen entfernt – macht uns verdammt ängstlich. Eilig suche ich möglichst lautlos im Dunklen nach meinem Finnendolch und den Signalraketen. Ich wollte die Pistole schon immer mal testen, ob sie überhaupt noch funktioniert. Dazu besteht jetzt eine günstige Gelegenheit. Samira freut sich über das Feuerwerk und auch die Wildschweine sind stark beeindruckt. Sie hauen ab – für zehn Minuten. Dann sind noch mehr als vorher da! Erst im Morgengrauen hat der Spuk ein Ende. Als es hell wird, sehen die Wildschweine auch viel kleiner aus, als ihre bedrohlichen Schatten in  von Leuchtkugeln beschienener Nacht.

Auf dem Rückweg zu unserem „Basislager“ mit nur noch knappen Lebensmittelreserven nagelt uns vollkommen überraschend aufkommender Starkwind auf einer flachen, reichlich ungeschützten Felsnase der Insel Caprera fest. In der Eile haben wir nichts besseres finden können. Das Hinterland ist unwegsam und der Fluchtweg übers Wasser von Wind und Wellen versperrt. Wir müssen das Essen und Trinken rationieren. Zwei Tage und Nächte zerrt ein Sturm bis Windstärke 10 am Zelt und unseren Nerven. Doch beide sind der Belastung gewachsen und nach drei Wochen kehren wir zurück zum Bus, der, gottlob, nicht geklaut ist.

Übrigens: Ich hab’ selten so viel gefroren im Leben wie auf dieser ersten Gepäcktour im Norden Sardiniens. Auf der folgenden Kajaktour im Osten packe ich wärmere Klamotten ein als Badehose, T-Shirt und Handtuch.

Wenn zwischen dem Maddalena-Archipel und Korsika der "MAESTRALE" zur Sturmstärke aufläuft, dann hilft nur eins: Sofort anlanden und in Deckung gehen

                            ZUR SCHÖNSTEN STEILKÜSTE IM OSTEN

Der Norden Sardiniens ist jetzt Mitte Juli touristisch für meinen Geschmack schon zu dicht bevölkert. Ein Stellungswechsel in den Südosten ist angesagt. Und kaum zu glauben: Das dazwischenliegende, fast schon alpine Gebirge des Supramonte, das über eine herrliche, aber auch kurvenreiche Panoramastraße zu überwinden ist, wirkt wie eine Tourismus-Bremse. Hinter den sardischen Dolomiten am Meer ist die Urlaubswelt wieder beschaulich. Wir landen in dem kleinen Touristenstädtchen Santa Maria di Navarrese auf dem gemütlichen Campingplatz „Mare Blu“. Der vergleichsweise preisgünstige Platz wird von einer sardischen Cooperative betrieben und liegt in einem schattigen Pinienhain direkt hinter dem langen Sandstrand. Logisch, hier ist unser neues „Basislager“ für die Kajaktouren der kommenden Tage.

Zunächst geht es mit Kajaks und Zeltgepäck weiter in Richtung Süden. Vor beein-druckender Bergkulisse bietet die Küste alles, was Paddler lieben. Sandstrände mit Strandkneipen und kühlen Getränken wechseln mit spektakulären Felswänden und steilen Kaps. Vorbei an den rotbraunen Porphyrfelsen von Arbatax und dem Capo Bellavista erreichen wir die nur wenig bevölkerten Sandstrände von Lido Orri. An einer besonders netten Strandbar schlagen wir das Zelt auf und genießen in lauer Nacht sardisches Bier und würzigen „Myrte“, einen sehr süffigen Kräuterschnaps. Tags drauf erreichen wir nach einer erfrischenden Badepause am Capo Sferracavallo die verschlafenen Ferienorte Sa Foxi Manna und Melisenda, das Ende der Zivilisation. Dahinter folgt unbewohnte, ruppige Küste bis hinunter zur Costa Rei. Da die Zeit allmählich knapp wird, drehen wir um, denn der Höhepunkt unserer Kajakreise liegt immer noch vor uns: Die traumhafte Steilküste des Golfo di Orosei, die zu den schönsten Kalksteinküsten des Mittelmeerraumes zählt. Doch vorher kommt noch der Tag, an dem Astrid kentert.

Vor der Vogelinsel Isola dell' Ogliastra in der weiten Bucht von Santa Maria Navarrese kann man den Kormoranen beim Fischen zuschauen

Felsige Kaps und kleine Inseln an der Südostküste Sardiniens laden ein zum Verweilen, Schnorcheln, Baden und Sonnen. Auch hier ist das Seekajak das schönste Fortbewegungsmittel und befreit uns von den recht vollen Touristenstränden

Gerd Kassel mit Tochter Samira im vollbeladenen und kippstabilen  Zweierkajak "Excursion" der Firma PRIJON 

Die berühmten, roten Porphyrfelsen bei Arbatax an der Südostküste Sardiniens

                                  KENTERFRUST HEMMT PADDELLUST

Eigentlich hatten wir das Gröbste schon hinter uns. Es war ein stürmischer Paddeltag mit Südostwind und hoher Dünung. Ab und zu verloren wir uns kurzfristig aus den Augen in den wandernden Wellenbergen. Als sie auch noch beängstigende Schaumkronen bekamen,  wollte Astrid raus, doch das ging schlecht. Hohe Brandungswellen knallten gefährlich auf den langgezogenen Sandstrand des Spiaggia Tramalitza. Durchs Fernglas sah ich, das aller Orten die rote Flagge – Badeverbot!! – gehisst war. Wir mussten die Brecherzone unbedingt meiden und gnadenlos weiter. Im Wind- und Wellenschatten des alten Wehrturms von Torre di Bari, der fotogen auf einer kleinen Landzunge thront, konnten wir endlich gefahrlos anlanden und ausruhen – nur leider nicht übernachten. Es war einfach kein geeigneter Platz für ein verstecktes und sicheres Strandbiwak. Wir warteten genervt am vollen Stadtstrand. Ich zählte 347 erstaunlich windstabile Sonnenschirme um uns herum. Kein Ort zum Wohlfühlen für mich.

Nicht immer, aber oft findet man auf Kajaktrekking-Touren an der Küste Sardiniens versteckte, unzugängliche Strände, wo man ungestört sein Zelt für eine Nacht aufstellen kann

Hat man genügend Nahrungsmittel an Bord - vor allem Trinkwasser - kann man sich auch mehrere Tage in versteckten Strandbuchten fernab von Touristenorten in ursprünglicher Natur niederlassen und die Einsamkeit und Ruhe genießen

Abends um sieben schläft der Wind plötzlich ein – nur nicht die hohe Dünung. Egal, wir müssen noch weiter, zurück nach Lido Orri und der netten Strandbar, wo wir schon auf der Herfahrt gezeltet haben. Widerwillig steigt Astrid ins Kajak, wohl ahnend, was auf sie zukommen wird. Die Sonne ist schon längst glutrot hinter den sardischen Dolomiten versunken, als wir uns bei einbrechender Dunkelheit endlich dem winzigen Sandstrand unserer Lieblingsstrandbar nähern. Das Anlanden im schummrigen Dämmerlicht ist verdammt knifflig, da vorgelagerte Felsen im Wasser rumliegen. Ich erwische mit Samira gottlob die richtige Einfahrt – nur Astrid bleibt leider mit dem Bug an einem Monsterkiesel hängen. Ihr Kajak dreht quer und wird von der nachfolgenden, brechenden Welle auch prompt versenkt. Sofort springen unsere, vor Tagen beim „Myrte“ neu gewonnenen sardischen Freunde, die das gewagte Anlegemanöver gespannt beobachtet haben, ins Wasser und bergen Astrid und ihr vollgelaufenes Kajak. Alles noch mal gut gegangen, denke ich voreilig und atme erleichtert auf. Astrid hat nur ein paar Schrammen und blaue Flecken abbekommen. Doch bei Fischsuppe und sardischem Rotwein, zu dem uns die total lieben Strandbarbesitzer einladen, zeigt sich bald deutlich, dass Astrid dezent unter Schock steht. Denn sie hält Seekajaktouren plötzlich für über alle Maßen gefährlich. Das hat Folgen für die kommenden Tage.

                     EINSAME SOLOTOUR DURCH DEN GOLFO DI OROSEI

Zum Abschluss und als Höhepunkt unseres sechswöchigen Kajaktrips auf Sardinien steht die landschaftlich besonders beindruckende Ostküste zwischen Santa Maria Navarrese und Santa Lucia auf dem Gepäcktouren-Programm. Doch – oh Schreck – Astrid verweigert. Sie hält die Kajakbefahrung der langen Steilküste im Golfo di Orosei mit den vergleichsweise nur wenigen Anlandemöglichkeiten als Familientour für zu gefährlich. Meine Überredenskünste und der Hinweis auf vorhergesagtes, ruhiges Wetter sind zwecklos. Astrid bleibt bei ihrem entschiedenen „Nein!“ Nun gut, dann folgt als Ausweg eine einfache Lösung: Da ich auf die Befahrung der am Mittelmeer einzigartigen Steilküste nur ungern verzichten möchte, erklärt sich Astrid – ausnahmsweise – bereit, als ungeliebtes „Shuttle-Bunny“ zu fungieren. Nach drei Tagen Mutter-Kind-Urlaub mit Samira am Familienstrand von Navarrese wird sie mir auf meiner Solo-Kajaktour gen Norden mit dem Busgespann auf dem Landweg folgen. Treffpunkt wird der urige Strand von Berchida sein, der nur über eine schmale, holprige Schotterpiste erreicht werden kann – also auch keine leichte Aufgabe für Astrid.

Kajaktouren entlang der faszinierenden Steilküste des Golfo di Orosei im Osten Sardiniens können - je nach Wind und Wetter - furchteinflößend sein. Wenn einem das kipplige Seekajak hier zu gefährlich erscheint, dann kann man im Hafen von Santa Maria Navarrese auch ein Motor-schlauchboot ausleihen

Es tut mir ganz gut, auch mal alleine im Einer-Kajak loszudüsen, ohne Last der Verantwortung für die Familie. Schade ist nur, dass ich die Begeisterung für die herrliche Steilküste des „Parco Nazionale del Golfo di Orosei“ mit mir alleine teilen muss. Auf Solotouren wie dieser neige ich dann in Ermanglung von Mitpaddlern zu blödsinnigen Selbstgesprächen. Egal, es ist schlicht der Wahnsinn, welch einmalige Landschaft sich mir aus der Kajakperspektive erschließt. Senkrecht in den tiefblauen Himmel aufragende, mehrere hundert Meter hohe Kalksteinwände wechseln mit traumhaften Sandbuchten und malerischen Grotten. Dort, wo der Meeresgrund aus weißem Kalksteinsand besteht, leuchtet das Wasser in unwirklichen Farben zwischen hellblau und türkis. Ich kann mich einfach nicht sattsehen. Die Abstände zwischen den möglichen Anlandeplätzen sind mal größer, mal kleiner und bei ruhigem Wetter kein Problem. An der  Wasserlinie sind die senkrechten Kalksteinwände wie im Polarmeer treibende Eisberge scharfkantig ausgekehlt. Wehe dem Paddler, der hier bei Starkwind und Wellengang kentert und aussteigen muss. Vielleicht hatte Astrid doch nicht ganz unrecht mit ihrer Verweigerung.

Auch in der Steilküste des Golfo di Orosei stößt man auf wunderschöne Sandbuchten, wo man für eine Nacht sein Zelt aufbauen kann

Wie geplant treffe ich Astrid und Samira am kilometerlangen Sandstrand von Berchida vier Tage später wieder. Astrid ist erleichtert, dass ich bei meinem Solo-Trip nicht abgesoffen bin – und ich, dass unser Campingbus bei der schwierigen Anfahrt zum verabredeten Treffpunkt keine neue Beulen bekommen hat. Mit familienfreundlichen Tages- und Badetouren in der Umgebung von Berchida, bei denen Samira auch öfter im eigenen Kinderkajak sitzt, klingt unser Sardinien-Trip allmählich geruhsam aus. Erst am letzten Abend entdecken wir an der Holperpiste nach Berchida in einer Blumenoase die urigste Kneipe von ganz Sardinien. Doch für den Verzehr eines am offenen Feuer gegrillten Ferkels und ein dezentes Besäufnis in der „Pinedda von Su Meriacru“ reicht unsere Zeit noch aus.Als wir morgens drauf im Hafen von Olbia einschiffen, sind wir froh, der Insel den Rücken zu kehren. Zahlreiche einlaufende Fähren spucken tausende von Italienern vom Festland aus, die nun – es ist bereits Anfang August – für einige Wochen ihre beliebteste Ferieninsel für sich selbst in Beschlag nehmen.Eins möcht’ ich zum Abschluss noch erwähnen: Übernächstes Jahr, wenn Astrid und Samira wieder das Sommer-Kajakrevier auswählen dürfen, will ich zurück nach Sardinien, um die restliche Küste zu erkunden. Es war einfach geil unter südlicher Sonne, so ohne den ganzen Klamottenballast für die Kälte nordischer Wildnis!

An der Steilküste im Osten reihen sich einige Strandperlen in Form kleiner, fantastischer Sandbuchten aneinander, die man gesehen, erlebt und gefühlt haben muss. Die meisten sind nur mit dem Boot zu ereichen. Hier die Cala Golorize, die man auch auf einem Wanderpfad erreichen kann


                                        KAJAKINFORMATIONEN ZUM PADDELPARADIES SARDINIEN

Sardinien ist die zweitgrößte Insel im Mittelmeer und liegt näher am Kontinent Afrika als am Mutterland Italien. Während viele ihrer Schwestern zu den bekanntesten und beliebtesten Reisezielen aufgestiegen sind, ist Sardinien touristisch nicht überlaufen und in weiten Inselteilen ursprünglich und beschaulich geblieben. 1840 Kilometer Küste bieten häufig noch einen wilden und makellosen Anblick mit unterschiedlichsten und ständig wechselnden Meereslandschaften. Besonders beeindrucken kilmeterlange Sandstrände im Wechsel mit sehenswerten Steilküsten, die zu den schönsten im Mittelmeerraum gehören. Das Meer rund um Sardinien ist noch ungewöhnlich klar und sauber und seine unwirklichen Farben erinnern an die Karibik. Im Einklang mit einem extrem milden Klima und hochsommerlichem Dauersonnenschein ist die bergige Insel ein Bade- und natürlich auch Seekajakparadies. Während es in den Sommermonaten im Inland unerträglich heiß werden kann, lässt es sich an der Küste immer noch gut aushalten. Dafür sorgt das zur Erfrischung ideale Wasser und meist – mehr oder minder stark – wehende Winde.

CHARAKTER                                                                         Charakter
Fast jeder Sardinien-Urlauber hat irgendeinen schwimmbaren Untersatz im Reisegepäck, vom Kaufhaus-Schlauchboot bis zur PS-starken Motoryacht. Das ist kein Wunder, denn es ist ein besonderer Genuss, die Küste Sardiniens vom Wasser aus zu erkunden. Nur so gelangt man am schnellsten und einfachsten an einsame Strände und in fantastische Badebuchten, die von Land aus häufig unzugänglich sind. Das Seekajak gehört sicher zu den am besten geeigneten und unweltfreundlichsten Booten. Ausgehend von zahlreichen strandnahen oder direkt am Wasser gelegenen Campingplätzen lassen sich erlebnisreiche Kajak-Tagestouren unternehmen, die bei konstant gutem Wetter auch Seekajak-Neulingen zu empfehlen sind. Das richtige Kajakabenteuer über mehrere Tage oder gar Wochen mit Zeltgepäck setzt allerdings erfahrene Kanuten voraus: Erstklassige Ausrüstung, Beherrschung der Eskimo-Rolle, Orientierung mit Karte und Kompass. Der größte Feind der Meerespaddler ist der Starkwind, der auf Sardinien im Frühjahr und Herbst öfter, im Hochsommer seltener anzutreffen ist. Eine besonders windige Ecke ist der Norden, wo zwischen Sardinien und Korsika der Maestrale durchpfeift. An der Ostküste geht’s ruhiger zu. Hier muss man allerdings an heißen Nachmittagen an der Steilküste mit thermischen Fallwinden rechnen. Wichtig für alle Touren ist die Kenntnis des aktuellen Seewetterberichts. Empfehlung: Empfang per Handy-SMS über die Internet-Info-Firma „Askme“ (www.askme.de/seewetter.htm). Rund um die Küste ist fast überall Handy-Empfang möglich.

                                                                       Beste Zeit 

Von April bis Juni bei blühender Insel. Im Juli vertrocknet das Land und die Strände und Campingplätze füllen sich. Den August sollte man meiden, dann macht ganz Italien Urlaub und nimmt auch Sardinien für sich in Beschlag. Im September und Oktober hat man die Insel fast wieder für sich alleine.

                                                                         Anreise 

Von Frankfurt/M zum Fährhafen Piombino sind es ca. 1250 Kilometer. Die Überfahrt von hier nach Olbia auf Sardinien dauert 8 Stunden. Wer Auto-Kilometer sparen und lieber länger Schiff fahren will, nimmt eine Fähre von Häfen weiter im Norden, wie Genua, La Spezia oder Livorno. Faltboot-Reisende können auch fliegen. Zwischen April und Oktober bietet z.B. die Lufthansa mehrmals wöchentlich von Frankfurt und München Direktflüge nach Olbia und Cagliari an. Das Busfahren auf Sardinien ist preiswert und das Liniennetz dicht. Ausführliche Anreise-Infos mit Anschriften, Telefonnummern und Internet-Adressen findet man im unten genannten, sehr nützlichen Sardinien-Reiseführer.

 

                                                                       Autofähren


Während der Sommersaison sollte man Fähren buchen. In Frage kommen folgende Fährgesellschaften:
Sardinia Ferries (Livorno – Golfo Aranci), Buchung: Sardinia Ferries, Georgenstr. 38, 80799 München, Tel.: 089/38 99 91 0, Fax 33 13 38.
Moby Lines (Livorno – Olbia), Buchung: Moby Lines Europe GmbH, Wilhelm-Str. 36-38, 65183 Wiesbaden, Tel.: 0611/14 020, Fax 140 22 44, E-Mail: Info@moby-lines.de; Internet: www.mobylines.de.

Linea dei Golfi (Piombino – Olbia, Livorno – Cagliari). Buchung: Beim Sardinien-Spezialisten TURISARDA, Richardstraße 28, 40231 Düsseldorf, Tel.: 0211/22 94 00-0, Fax 22 94 00-29. Diese Fährlinie ist besonders interessant und preiswert für Caravan- und Wohnmobilreisende, da man auf den Schiffen „Camping an Bord“ machen, d.h. das auf Deck geparkte Fahrzeug als Kabine nutzen kann.
 

                                                                        Ausrüstung

Kajak: Auch wenn das Meer an manchen Tagen glatt und harmlos wie ein Baggersee erscheint, eine gute und vollständige Seekajak-Ausrüstung ist trotzdem notwendig: See-Großgewässer- oder Tourenkajaks (auch Faltboote) mit Abschottung oder Auftrieb, Rundumkenterleine, Steueranlage, Decknetz, wasserdichte Decktasche mit Rollverschluss (Prijon), Spritzdecke, Lukendeckel, Lenzpumpe, Tourenpaddel mit Paddelsicherung und Tropfringen, Bootswagen.

Paddelkleidung: Wasserdichte Paddeljacken mit Kapuze oder Südwester, wasserdichte Trockenhosen, Kajakschuhe mit Neo-Socken, Thermo-Unterwäsche, Neo-Handschuhe,  Kopfbedeckung total für Gesicht, Kopf und Nacken.

Sicherheit: Schwimmweste mit Cowtail (Schleppleine mit Karabiner), Signalpfeife, wasserdichter Signalgeber mit Leuchtkugeln, Paddelfloat, Kompass/GPS, Flickzeug, Tape, Multifunktionswerkzeug, Ersatz-Schäkel/Splinte, teilbares Ersatzpaddel, Erste-Hilfe-Set, UV-Schutz und Sonnenbrille mit Brillenband, wichtige Medikamente, Handy in wasserdichter Tasche, durch die man telefonieren kann, eingespeicherte Notruf-Nummern, genaue, wasserdicht verschweißte oder in Klarsichttasche verpackte Inselkarte mit allen wichtigen Eintragungen (Anlandeplätze).

Zeltausrüstung: Windstabiles Zelt mit Sandheringen, Wing- und/oder Zelttarp als Sonnen-und Regenschutz, Schlafsack, Isomatte oder Leicht-Luma, Mini-Hubpumpe, Stirnlampe, wasserdichte Packsäcke verschiedener Größe, Sturmkocher (z.B. Trangia), Trinkflasche, Wasserkanister, Klappsäge, Mini-Klappspaten, Müllsäcke.

Sonstiges: Wasserdichte Pelibox mit Fotoausrüstung, Fernglas, u.ä., Stahlseil zur Diebstahlsicherung, feste Wanderschuhe für Ausflüge ins Hinterland, Angel.

Wichtig an den Sandstränden Sardiniens sind für den Zeltaufbau spezielle, breite Sand-Heringe

                                                                  Übernachtung

Auf Sardinien gibt es viele und unterschiedlich teure Campingplätze, auch mit Apartments und Bungalows, wovon die meisten im unten genannten Sardinien-Reiseführer genauer beschrieben sind. Die sardische Vereinigung der Campingprofis (FAITA) gibt eine übersichtliche Sardinien-Karte heraus, in der 34 Campingplätze mit Abbildung genau beschrieben sind (E-Mail: info@faitasardegna.org; Internet: www.faitasardegna.org.)  Wildes Zelten ist wie überall in Italien offiziell nicht erlaubt. Bei Kajakgepäcktouren gelangt man aber an unzugängliche Buchten und unbewirtschaftete Strände, wo eine Zeltübernachtung nicht weiter stört oder auffällt, naturverträgliches Verhalten vorausgesetzt. Als günstig gelegene Basislager und zum Abstellen der Fahrzeuge während der Kajaktouren nutzten wir im Norden den Campingplatz „Isola dei Gabbiani“ bei Porto Pollo und im Osten den „Camping Mare Blu“ bei Santa Maria Navarrese. Auch andere Campingplätze sind hierfür geeignet. Fahrzeuge während der Kajaktouren über längere Zeit irgendwo in der Gegend stehen zu lassen, ist nicht empfehlenswert.

                                                                 Tourenvorschläge

Tagestouren sind rund um Sardinien fast überall möglich und lohnenswert, mit Ausnahme nahe der größeren Küstenstädte und militärischer Sperrgebiete (Nato-Schießplatz für Kampfflieger neben der Costa de Sud).

Im Internet unter www.sardegna.net/docs/sports_canoe_d.html findet man einen „kleinen Kanuführer Sardiniens“ mit 25 Tourenvorschlägen für Küsten- und Binnengewässer in deutscher Sprache. Im allgemeinen sind Touren an der Ost- und Südküste leichter, da man sich im Windschatten des gefürchteten Maestrale (starker, häufig auftretender Nordwest-Wind) befindet. Längere Steilküsten ohne Anlandemöglichkeiten sollten unerfahrene Paddler meiden. Hier eine Kurzbeschreibung unserer 3 Gepäcktouren, die sehr zu empfehlen sind:

Gepäcktour 1 – Maddalena-Archipel: Start/Ziel „Camping Isola dei Gabbiani“. Richtung Osten die Küste entlang zur Punta Sardegna. Vorbei an Porto Rafael und Palau zum Capo d’Orso. Evl. Abstecher in den geschützten Golfo di Arzachena. Ansonsten schnelle Überfahrt zum Maddalena-Archipel. Zwischen S. Stefano und Caprera hindurch nach Maddalena. Von hier auf dem kürzesten Weg zur Insel Spargi. Umrundung Spargis und zurück in den Norden von Maddalena. Von hier über die kleinen Inseln Barretini und und Corcelli zum Insel-„Dreierpack“ S. Maria – Razzoli – Budelli. Nach deren Umrundung zurück nach Nord-Maddalena. Von dort die Ost- oder Westseite von Caprera entlang zurück zum Capo d’Orso und zum Startort. Achtung: Nach Möglichkeit immer die kürzesten Wasserwege zwischen den Inseln wählen, aus Vorsicht wegen möglicher Starkwinde und der Küstenwache, die es nicht gern sieht, wenn Kajaks weit vor der Küste rumschippern.

Gepäcktour 2 – S. Maria Navarrese bis Capo S. Lorenzo (südliche Ostküste): Start/Ziel: „Camping Mare Blu“ bei S. Maria Navarrese. Nach Abstecher zur Vogelinsel Isola dell’Ogliasta Richtung Süden zu den roten Felsen von Arbatax. Vorbei am Capo Bellavista zu den langen Sandstränden von Lido Orri und Torre di Bari. Weiter nach Marina di Gairo und um das Capo Sferracavallo zum schönen Sandstrand von Foxi Manna. Hinter Barisoni folgt kilometerweit menschenleeres Niemandsland ohne jegliche Straßenanbindung. Ob man sich bis zum Capo S. Lorenzo vorwagt, hängt vom Wetter und den notwendigen Lebensmittelvorräten ab. Der Rückweg geht wieder übers Wasser, wo man nun entspannter paddeln und die abwechslungsreiche Landschaft genießen kann, da man alle Anlande- und Biwakplätze kennt.

Auf steinigem Boden ist eine Zeltunterlage sinnvoll

Tschüss Sardinien !!!


 
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