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Am 1. Januar 2008 bekam ich im Pitztal in Tirol morgens um 5 Uhr einen Herzinfarkt (siehe hierzu auch meinen ausführlichen Bericht unter Link http://www.kanukassel.de/137481/460692.html). Am frühen Morgen des 2. Januar 2008 wurde mir im Klinikum Kempten von Chefarzt Dr. Seidel mit Hilfe eines Herzkatheders ein Blutgerinnsel in der linken Kranzarterie entfernt und ein sogenannter Stent gesetzt. Nach 3 Tagen Intensiv- und 4 Tagen Normalstation konnte ich das Klinikum Kempten am 8. Januar 2008 wieder verlassen. Natürlich war ich nur eine Woche nach diesem akuten Koronar-syndrom weder gesund noch sofort wieder arbeitsfähig. Eine übliche, 3-wöchige Rehabilitation zur Wiederherstellung meiner Arbeitsfähigkeit wurde von den behandelnden Ärzten in Kempten dringend angeraten.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                

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Ich rief noch vom Krankenbett in Kempten aus meinen Hausarzt Dr. Piper in Freigericht-Horbach an und bat ihn, für mich einen Reha-Platz in einer geeigneten Herzreha-Klinik zu besorgen. Eile war hier angesagt, da eine Reha nur als sogenannte Anschlussheilbehandlung von meinen Krankenversicherungsträgern, dem Land Hessen und der Barmenia, bezahlt wird. Dr. Piper empfahl mir die Wetterau-Klinik in Bad Nauheim. Leider hatte er kein Telefonbuch zur Hand, um in der Wetterau-Klinik anzurufen – von Internetanschluss ganz zu schweigen. Manche Ärzte kann man wirklich fast nur zur Rezeptverordnung und Krankschreibung gebrauchen. Aber das Klinikum Kempten half mir unaufgefordert aus der Patsche. 


Der vorzügliche Sozialdienst des Klinikums Kempten in Person der sehr freundlichen und kompetenten Diplom-Sozialpädagogin Gisela Birk stellte während meines Klinikaufenthaltes in Kempten bereits in meinem Namen bei meinem Arbeitgeber, dem Land Hessen, und bei meiner privaten Krankenversicherung, der Barmenia, einen gut begründeten Antrag auf Genehmigung einer 3-wöchigen Anschlussheilbehandlung. Im gleichen Atemzug reservierte die freundliche Dame aus Kempten gleich für den 15.01.2008 einen Platz für mich in der Wetterau-Klinik Bad Nauheim. Trotz ungenauer Infos von mir war der Sozialdienst dank Internetrecherche blitzschnell in der Lage, alles Notwendige für meine sofortige Reha in die Wege zu leiten. Sowas hätte ich eigentlich auch von meinem Hausarzt erwartet!

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Als ich am Dienstag, den 8.1.2008 vom Klinikum Kempten nach Hause kam, lagen der Beihilfestelle des Landes Hessen in Hünfeld und der Barmenia-Krankenversicherung in Frankfurt schon die begründeten Reha-Anträge samt Arztbrief aus Kempten schriftlich vor. Bis Donnerstag, den 10.1.2008 hatte ich die Genehmigung beider Stellen und die Zusage aus Bad Nauheim schriftlich vorliegen. So was nenne ich saubere Arbeit. Hätte ich diese bürokratische Aufgabe meinem Hausarzt Dr. Piper überlassen, wäre ich verlassen gewesen. Als ich am Mittwoch, den 9.1.2008 seine Praxis betrat, um Rezepte für die dringend benötigten Medikamente abzuholen, lag auch schon länger der Arztbrief aus Kempten vor – leider immer noch ungeöffnet! Aber egal, am Dienstag, den 15.1.2008 trete ich eine 3-wöchige Reha  in der bekannten Kurstadt Bad Nauheim an.

Die BARMENIA legte meinen Reha-Antrag eigenen Ärzten zur Begutachtung vor. Die kamen zur Ansicht, dass mir eine Reha zu bewilligen und zu bezahlen ist. Am 14.01.2008 bekam ich die schriftliche Reha-Bewilligung!


Auch die Bürokraten meines Arbeitgebers, des Landes Hessen, arbeiteten überraschend schnell. Schon am 09.01.2008 lag die Bewilligung meiner Reha-Maßnahme durch das Regierungspräsidium Kassel vor. 


Von der Wetterau-Klinik habe ich schon eine Woche vorher ein Info-Paket bekommen, das mich in manchen Schriftstücken und Formulierungen an meine Militärzeit erinnert. Am meisten empöre ich mich über die Aufforderung, dass 14 Pflegesätze von täglich 123,67 Euro bereits im Vorhinein zu zahlen sind. Der Klinik liegen die schriftlichen Kostenübernahmeerklärungen meiner Versicherungsträger vor. Von daher dürfte klar sein, dass gezahlt wird. Normalerweise kaufe ich nicht die Katze im Sack! Noch nicht mal im Bordell! Ob man dort auch im Voraus löhnen muss, weiß ich nicht. Aber wenn ja, wäre das ein Grund mehr, auf einen Besuch dort zu verzichten. Und die Zahlungs-aufforderung der Wetterau-Klinik in Bad Nauheim ist nach Form und Inhalt beinahe für mich ein Grund, auf die Reha zu pfeifen. Ich habe ohnehin eine abgrund-tiefe Abneigung gegen stationäre Klinikaufenthalte aller Art. Auch in eine Reha-Klinik gehe ich normalerweise nicht freiwillig!

Doch mit Herzinfarkten, da kenne ich mich noch nicht gut genug aus. Ich kenne zwar jetzt den typischen, äußerst gemeinen Schmerz, den ein AKUTES KORONARSYNDROM (so heißt der Herzinfarkt in Medizinersprache) hervorruft. Aber ich weiß nicht, warum es zu Herzerkrankungen kommt, was Herzinfarkte verursacht und auslöst und wie man Herzinfarkte medikamentös optimal behandelt. Was mich natürlich auch noch brennend interessiert, dass ist die Frage, wie ich weitere Herzinfarkte verhindern kann. Also, mir bleibt keine andere Wahl. Diesmal muss ich in eine Herz-Reha, so sehr es mir auch vor ihr gruselt!  

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Als Beamter im hessischen Schuldienst bin ich sogenannter SELBSTZAHLER und muss die Rechnungen zunächst mal aus eigener Tasche begleichen. Danach muss ich mit Hilfe von Anträgen dafür sorgen, dass ich zumindest ein Großteil meiner Krankenkosten vom Land Hessen und meiner privaten Krankenversicherung Barmenia zurückerstattet bekomme.

Zunächst muss ich schon mal VOR ANTRITT DER REHA 14 Tagessätze in Höhe von 1731,38 Euro zahlen, sonst geht gar nichts!


Die gesamte Reha-Maßnahme dauert 18 Tage (mehr hat die BARMENIA nicht bewilligt) und kostet insgesamt 2226,06 Euro
Den Restbetrag von 494,68 Euro zahle ich noch während meines Reha-Aufenthaltes bar an der Kasse des Hauses!

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Die Kurstadt Bad Nauheim, in der ich mich 3 lange Reha-Wochen aufgehalten habe, ist eine zwar kleine, aber ziemlich bekannte mittelhessische Kleinstadt. Liebhabern des Rock'n Roll wird sie bekannt sein durch die Tatsache, dass Elvis Presley hier während seiner Militärdienstzeit in Friedberg von 1958 bis 1960 gewohnt hat. Die Stadt hat eine ganz nette Website http://www.bad-nauheim.de/index.html  


ZITAT aus Wikipedia: "Jahrzehnte lang kamen prominente Gäste zur Kur. Bereits 1859 hatte sich Otto von Bismarck in Bad Nauheim einer Wasserkur unterzogen; nach 1871 folgten u. a. das deutsche und das österreichische Kaiserpaar, der bulgarische Zar Ferdinand I., Alfred Krupp, August Bebel, Richard Strauss und Karl May. 1891 hielt sich der damals neunjährige spätere US-Präsident Franklin D. Roosevelt mit seinen Eltern für mehrere Monate in Bad Nauheim auf und besuchte sogar für einige Zeit die öffentliche Volksschule, an deren Gebäude heute eine Gedenktafel auf den berühmten Schüler hinweist. Besonderes Aufsehen erregte im Jahre 1910 der Kuraufenthalt der russischen Zarenfamilie; eine um 1900 geweihte russisch-orthodoxe Kirche mit bis heute aktivem Gemeindeleben erinnert an die Beliebtheit der Stadt bei Kurgästen aus Osteuropa.
In der Weimarer Zeit behielt Bad Nauheim seinen Ruf als mondänes Luxusbad; neben zahlreichen Mitgliedern des exilierten russischen Hochadels fanden sich bald auch wieder Prominente aus den USA in Bad Nauheim ein, darunter die Schauspielerinnen Marion Davis und Lillian Gish sowie der Pressemagnat William Randolph Hearst. Zu ihnen gesellten sich Berühmtheiten wie Albert Einstein, Erich Kästner, Rabindranath Tagore und Hans Albers. In den eleganten Hotelbars spielten bekannte Tanzorchester der Weimarer Zeit, darunter das in Bad Nauheim gegründete Orchester Bernhard Etté; auch die Comedian Harmonists gastierten in der Stadt."


Eins steht jedenfalls mal fest: Bad Nauheim hat mehr Kliniken als Bordelle. Jedenfalls habe ich bei meinen Stadterkundungen kein einziges gesehen, dafür aber unzählige Kranke. Ob sie berühmt waren, konnte ich nicht genau erkennen. Rollstuhlfahrer in frostigen Kurparks sehen irgendwie alle gleich elend aus. Ein Wohlgefühl kam nicht bei mir auf! Das mag vielleicht auch an den trist-grauen Januartagen 2008 gelegen haben. 


Die Glanzzeiten als Treffpunkt der Reichen, Adligen und Bekannten scheinen heute in Bad Nauheim vorbei zu sein. Ich habe jedenfalls keine besonderen Leute gesehen. Nur graue und kranke Reha-Patienten auf Krankenkasse! Aber ich habe die schönen, alten Kurgebäude von früher, wo die Reichen einst trotz Krankheit lustgewandelt sind, bewundert.......


Weitere Zitate aus http://de.wikipedia.org/wiki/Bad_Nauheim: "In den 50er Jahren erlebte der Glanz des Prominenten-bades eine kurze Renaissance: von Oktober 1958 bis März 1960 lebte der formell im benachbarten Friedberg als Soldat stationierte Elvis Presley in Bad Nauheim. 1959 hielt sich Saud ibn Abd al-Aziz, König von Saudi-Arabien, mit großem Hofstaat in der Stadt auf; in den 60er Jahren folgten viele weitere Würdenträger aus dem arabischen Raum. Unterdessen wandelte sich jedoch das Gesicht der Stadt. Durch die neu geschaffenen Sozialsysteme wurden Kur-aufenthalte in großem Umfang auch ärmeren Bevölkerungsschichten zugänglich gemacht. Die Zahl der Kurgäste stieg daher enorm, mehrere große Kliniken der Sozialversicherungsanstalten wurden gebaut, während der Ruf der Stadt als Treffpunkt der internationalen High Society allmählich verblasste."


"Sprudelhof, Jugendstil in Bad Nauheim. Der Sprudelhof gilt, zusammen mit der Trinkkuranlage und den zugehörigen technischen Gebäuden, als ein hervorragendes Beispiel des Jugendstils und stellt eines der gelungensten und geschlossensten Bauwerke dieser Stilepoche da. Er wurde in den Jahren 1906-1911 auf Veranlassung des Großherzogs Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein durch Regierungsbaumeister Wilhelm Jost erbaut. Bei der künstlerischen Ausgestaltung der Nauheimer Bade- und Kuranlagen wirkten mehrere Künstler der Darmstädter Künstlerkolonie mit: u. a. Albin Müller, Wilhelm Kleukens, Heinrich Jobst und Ernst Riegel. Die Skulpturen am Großen Sprudelbecken wurden 1978 erneuert. Wegen seines einzigartigen und relativ gut erhaltenen Ensembles von Jugendstil-Bauten ist Bad Nauheim als einzige deutsche Stadt Mitglied im Réseau Art Nouveau Network, in dem 19 europäische Städte zusammengeschlossen sind."


Hoch über Bad Nauheim befindet sich ein Hotel/Restaurant mit schönem Ausblick über die Stadt, das auch schon bessere Tage gesehen hat. Wie ich als herzkranker Reha-Patient der Wetterau-Klinik hier hoch gekommen bin, darüber berichte ich weiter unten.

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Die ganze Zeit, in der ich mich in Bad Nauheim herumgetrieben habe, dachte ich, der Kerckhoff sei ein bekannter Arzt oder sogar berühmter Herzchirurg gewesen. Pustekuchen! Erst in Wikipedia erfahre ich heute, wer den Namen für die bekannteste Einrichtung Bad Nauheims geliefert hat. Aus http://www.kerckhoff-klinik.de/informationen/allgemein/index.php "Entwicklung der Kerckhoff-Klinik: Bis in die 20er Jahre des 20. Jahrhunderts reicht die Geschichte der Kerckhoff-Klinik zurück. Es begann damit, dass der deutsch-amerikanische Unternehmer William G. Kerckhoff wegen eines Herzleidens regelmäßig den damals schon berühmten Kurort Bad Nauheim aufsuchte. Der wohlhabende Unternehmer wollte einen Stiftungsfonds zur Förderung der Herz-forschung ins Leben rufen. Bevor er dieses Vorhaben verwirklichen konnte, erlag er zwar seinem Herzleiden, aber seine Ehefrau führte den Plan durch. Mit einer großzügigen Spende initiierte sie den Aufbau eines Herzforschungsinstituts.


Am Herzforschungsinstitut in Bad Nauheim wird auch heute noch richtig nach Wichtigem für die Behandlung herzkranker Menschen geforscht - hab' ich mir sagen lassen. Da rein getraut in die alterwürdigen Gemäuer habe ich mich nicht. Hätt' ja mal fragen können, was die da gerade wirklich forschen.... 


Aber hier war ich drin. Da sieht es aus wie in einem Fünf-Sterne-Hotel. Das ist nicht die nebenan neu erbaute Herzklinik, sondern das Kerckhoff-Rehazentrum. Da sieht es echt schöner aus als in der Wetterau-Klinik, in der ich mich einquartiert habe. Aber ich denke mal, dass hier der Tagessatz ein bisschen höher ist als 123,67 Euro!


"Willkommen auf der Website der Kerckhoff-Klinik. Wir kümmern uns um Sie! http://www.kerckhoff-klinik.de/  
Die modernen, großzügigen Gebäude am Rand des Kurparks bieten optimale Verhältnisse.

Die Kerckhoff-Klinik (232 Betten) zählt zu den größten und renommiertesten Herz- und Rheumazentren in Deutschland. Jährlich lassen sich über 25.000 Patienten aus dem In- und Ausland ambulant und stationär bei uns behandeln. Dank unseres nationalen wie internationalen Rufes steigen die Patientenzahlen kontinuierlich. Das Leistungsspektrum des Krankenhauses umfasst alle modernen Diagnose- und Therapieverfahren in den Fachgebieten Kardiologie, Herz- und Gefäßchirurgie sowie Rheumatologie. Bei der Diagnose und Behandlung setzen wir - wenn immer möglich - Techniken ein, die den Körper möglichst wenig belasten."


http://www.kerckhoff-klinik.de/nachsorge/index.php "Die Nachsorge Rehabilitation/Anschlußheilbehandlung: Wir bauen Sie wieder auf …

Nach Ihrem Krankenhausaufenthalt müssen Ihr Körper und Ihre Seele wieder zu Kräften kommen. Die Experten in einem erfahrenen Rehabilitationszentrum helfen Ihnen dabei, Ihr mentales und psychisches Gleichgewicht zu stärken. Aus diesem Grund schließt sich zumeist direkt an Ihren Krankenhausaufenthalt eine dreiwöchige Regenerationsphase in einer Rehabilitationsklinik an. Rehabilitation/Anschlußheilbehandlung – wozu?Erfahrene Fachkräfte vermitteln Ihnen Kenntnisse zur richtigen Lebensführung, damit Sie Ihr Herz in Zukunft vor erneuten Erkrankungen schützen. Diäten, Bewegung und Entspannung spielen dabei eine entscheidende Rolle. Im Rehabilitations-zentrum können Sie sich, betreut vom medizinischen Fachpersonal, auf Ihre neuen Medikamente einstellen. Sie lernen worauf Sie als Herzpatient in Zukunft achten müssen, um mögliche Komplikationen zu erkennen, zu meistern oder gegebenenfalls zu vermeiden. Eine Sozialberatung hilft Ihnen dabei, den Einstieg in den Beruf wieder zu finden. Die Experten sind auch die richtigen Ansprechpartner für die Themen Übergangsgeld, Schwerbehindertenausweis, Renten- und Altersruhegeld, Pflegebedürftigkeit, Umschulung u.s.w. Wer organisiert Ihren Aufenthalt in einem Rehabilitationszentrum bzw. Ihre Anschlußheilbehandlung?

Der stationäre bzw. ambulante Aufenthalt in einem Rehabilitationszentrum dauert in der Regel drei Wochen. Eine Mitarbeiterin von unserem Sozialdienst wird auf Sie zukommen. Sie werden von ihr umfassend über alle für Sie in Frage kommenden Rehabilitationskliniken informiert. Ihre Wünsche und die Bedingungen Ihrer Krankenkasse sind die entscheidenden Auswahlkriterien."

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Ein ziemlich hässlicher Kasten, die Wetterau-Klinik in der Zanderstraße 30-32 in Bad Nauheim - aber so sehen sie alle aus, die neuen Kliniken fürs Volk. Sie haben Ähnlichkeit mit den Schulen fürs Volk, in denen ich die letzten 35 Jahre unterrichtet habe und die noch schneller verschrottet werden müssen als ich! 


Das kleine, alte Fachwerkhäuschen hier wird das Klinikgebäude dahinter sicher überleben. Es gehört zu einem restaurierten Gradierbau gleich bei der Wetterau-Klinik.

 (http://www.bad-nauheim.de/tourismus_stadtrundgaenge_soleundsalz.html)

Am 15.01.2008 habe ich bis 12 Uhr die Reha-"Vollzugsanstalt" Wetterau-Klinik mit meiner Anwesenheit zu beehren. So heißt es in den Einweisungspapieren. Meine Frau Astrid bringt mich hin. Mit Zug und Reisegepäck ist mir die Anfahrt ehrlich gesagt etwas zu beschwerlich. Es heißt, ich dürfe noch nichts Schweres tragen.


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Aufgang 1 , Station 3, Zimmer 308. So heißt es im Patientenorientierungsblatt 4711. Nun denn, einer Zelle ähnelt die Behausung 308 aber noch nicht.


Na ja, die Wände sind zwar kahl wie in einer Knastzelle (das ist mir lieber als ein Jesuskreuz überm wie in vielen Krankenhäusern), aber es gibt ein Klo und eine saubere Dusche. Jeden Tag kommt eine freundliche Reinemachefrau und sorgt für Sauberkeit. Ich habe einen Kleiderschrank, einen Schreibtisch mit Stuhl und einen Hocker für Gäste. Das Bett ist brauchbar und über dem Bett ist ein Licht zum Lesen in der Nacht. Hier halte ich mich jetzt 18 Tage den größten Teil des 24-Stunden-Tages auf. Damit mir dabei nicht langweilig wird, dafür muss ich mir mehrere, besondere Aktionen einfallen lassen. Doch darüber weiter unten mehr....... 


Der Blick aus dem KLINIK-Fenster, Zimmer 308, ist winterlich trist und aus dem Klinikhof dröhnt von morgens 6 bis abends 20 Uhr eine überlaute Entlüftung von weiß ich was zu mir herauf! Jedenfalls ist die Lämbelästigung weitaus größer als zuhause in meinem Arbeitszimmer, das direkt an einer viel befahrenen Straße liegt.


Den Schriftstücken nach zu urteilen, die ich gleich am ersten Reha-Tag bei meiner Ankunft in die Hand gedrückt bekomme, geht man wohl hier im Hause (zu Recht?) davon aus, dass man es ausschließlich mit unselbständigen Vollidioten in Herzinsuffizienz-kreisen zu tun hat. Ich werde sehen..... Jedenfalls werde ich erst mal von einer resoluten, dicken Küchendame ("der 1. Serviererin") an die Hand genommen und zu meinem Speisesaal 1 - Tisch Nr. 14 - geführt. Meinen Tischgenossen vorstellen darf ich mich aber allein. Nur den Tisch, den darf ich 3 Wochen lang nicht wechseln!

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Also, die Sache hier in der Wetterau-Klinik st paramilitärisch durchorganisiert. Am 1. Tag muss ich erst mal in diversen Wartebereichen A, B, C oder D irgendwas abgeben oder empfangen. Abgeben muss ich Urin,  Stuhlgang, Blut, Gewicht und Blutdruck. Dafür darf ICH ein positives Herz-Ultraschall in Empfang nehmen. Der Oberarzt, der dafür zuständig ist, macht einen sehr freundlichen Eindruck und erklärt mir genau, was mein Herz durch den Infarkt für einen Schaden erlitten hat. Nämlich sensationellerweise gar keinen - "bis auf einen kleinen Kratzer auf dem Kofferraum-deckel, den man aber nur bei Sonne sieht".


Gleich am 1. Tag findet eine Eingangs-untersuchung der Sorte 08/15 statt. Aber der Stationsarzt Dr. Müller ist freundlich und bereit, auch mal ein normales, unmedizinisches Schwätzchen mit mir zu halten. Außerdem beantwortet er mir geduldig, kompetent und verständlich all meine Fragen zum Thema Herz. Dass ich es auf Dauer trotzdem hier doof finde, das liegt nicht am Stationsarzt Dr. Müller. Der ist in Ordnung!


Also, die erste Reha-Woche in Bad Nauheim ödet mich elend an. Von Dienstag bis Freitag lerne ich alle Wartebereiche der Klinik kennen, ohne das irgendwas Interessantes passiert! Es finden all die Routine-Untersuchungen statt, die erst eine Woche zuvor im Klinikum Kempten stattgefunden haben. Aber man verlässt sich hier in der Wetterau-Klinik nicht auf di Untersuchungsergebnisse anderer Leute!


Gut ist, dass ich unter genauer Beobachtung auf die richtige Menge an notwendigen Medikamenten eingestellt werde. Dazu werden wiederholt Ruhe-und Langzeit-EKGs angeordnet.


Erst am 4. Tag meines Reha-Aufenthaltes erfolgt das Eingangs-Belastungs-EKG. Erst als ich das zur Zufriedenheit des Stationsarztes absolviert habe, gibt es grünes Licht für bewegungs- und sport-technische Reha-Aktivitäten. Doch jetzt ist erst mal Wochenende und an Wochenenden läuft mal eben gar nix in einer Reha-Klinik!


Bei den vielen Routinentersuchungen tut sich leider noch eine "Nebenbaustelle" auf. In Kempten wurden schon erhöhte Zuckerwerte im Blut festgestellt. Zucker ist einer der 4 Risikofaktoren bei Herzkranken. Daher mache ich auch in Bad Nauheim wieder einen sogenannten GLUCOSE-TOLERANZ-TEST, der auch hier wieder verdammt grenzwertig, d. h. pathologisch ausfällt. Das heißt, ich habe vermutlich bereits die Grenze zum Diabetiker überschritten. Scheiße! Scheiße! Scheiße! Es gibt wohl nichts, was ich nicht bekomme! Nichts, was mir nicht zustößt! Nichts, was ich mir nicht antue!

Aber jetzt ist erst mal Wochenende. Da wird die Langeweile auf die Spitze getrieben! Aber da ich das alles schon vorher geahnt habe, befand sich in meinem Reha-Reisegepäck mein "mobiles Büro"!

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Natürlich hatte ich bei all meinen Voruteilen gegenüber sogenannten Rehabilitationen schon geahnt, dass ich mich furchtbar langweilen würde. Deshalb habe ich mir vorher schon überlegt, womit ich dieser Langeweile begegnen könnte. Ein neues Buch schreiben vielleicht? Ja, aber da fehlt mir im Moment der Nerv und die nötige sprachliche Kreativität für! Aber spezielle Arbeiten, die ich immer schon machte wollte, für die mir nur im Alltag immer die Zeit fehlte. Das war die Lösung! Ich nahm also meinen Laptop mit und meinen Scanner. Dazu ein kleines Reiseleuchtpult und 2 Koffer meiner einstmals am meisten gezeigten Diavorträge über unsere Kajakabenteuer auf den LOFOTEN  und auf den Aaland-Inseln (Siehe hierzu auch http://www.kanukassel.de/70201/25840.html)  und den "legendären" Diavortrag MIT KASSEL-FAMILY ON TOUR - KANUFAHREN MIT KIND UND KEGEL!  


2000 hinter Anti-Newton-Glas in Cepe-Rähmchen verpackte Reise-Dias zu reinigen, im Flachbrett- scanner CANOSCAN 8600F jeweils im Viererpack zu scannen und anschließend mit ACDSee 8 zu bearbeiten, dafür braucht man viel Zeit. Dies Zeit stellte mir die Reha-Leitung der Wetterau-Klinik in Bad Nauheim ausgiebig zu Verfügung. Da es sich um keine herzzerreißende, aufregende und anstrengende Arbeit handelte, sondern eher Monotonie im Vordergrund stand, habe ich mir nicht extra die Erlaubnis der Ärzte für diese Sonder-tätigkeiten eingeholt.   


Meine öffentlichen Diavorträge von einst (Siehe  http://www.kanukassel.de/457392/index.html) möchte ich also jetzt alle digitalisieren und auf DVDs mit Hintergrundmusik und Kommentaren verewigen. Warum und für wen? Natürlich nicht mehr für die Öffentlichkeit. Das ist Schnee von gestern! Nein, nur für mich. Für meine ganz persönliche Erinnerung an ganz besonders spannende und interessante Lebensabschnitte! Natürlich kommen diese Reisdias auch alle hier auf meine Website! Nur: Das ist eine Lebensaufgabe. Dafür bräuchte ich noch ein paar mehr Rehas!


18 Tage sitze ich hier von frühmorgens bis nachts am kargen Schreibtisch in der Wetterau-Klinik Bad Nauheim -  Station 3, Zimmer 308, Einzelhaft - und scanne Dias ein. Diese Arbeit wird nur unterbrochen durch Frühstück um 7, Mittagessen um 12 und Abendessen um 17.30 Uhr im Speisesaal 1 des Hauses an Tisch 14 mit 1200 Gesamtkalorien. Ach ja, da gibt es ja noch die sogenannten, öfter mal revidierten  "Behandlungspläne". Auf die gehe ich später noch genauer ein!  


Am 1.Reha- Wochenende bringt mir meine Frau Astrid neue, zusätzliche Arbeit mit in mein "Mobiles Reha-Büro".


In Kürze wird mein neuer Kanuprojektreader "Übers Wasser auf zu neuen Ufern", den ich zusammen mit meiner Tochter Sina Brendel (geb. Kassel) geschrieben habe, im Pollner-Verlag (www.Pollner-Verlag.de) veröffentlicht. Max Pollner schickt mir noch ein letztes Mal die Druckvorlage für einen letzten Fehler-Check.


Allmählich arten die illegalen "Nebentätigkeiten" in meinem "Reha-Büro" in Bad Nauheim in richtige Arbeit aus. Ich verpasse sogar immer öfter das im Behandlungsplan fixierte  "Nichtraucher-Trainingsseminar". Aber das ist nicht tragisch. Seit dem 1. Januar 2008 bin ich militanter Nichtraucher! Wer raucht, der spinnt! Wer mir einen vorraucht, begibt sich in Gefahr! Wer nach einem Herzinfarkt immer noch raucht, der hat es nicht anders verdient! Ich diskutiere mit mir nicht mehr über dieses Thema. Mit dem Rauchen aufzuhören ist kein furchtbar schwieriges Suchtproblem, sondern reine Willenssache. Wer keinen Willen hat, ist eine Flasche! So einfach ist das! (nach einem Herzinfarkt)


Neben Vortrags-Dias einscannen und veröffentlichungsreifes Kanuprojektbuch auf Fehler durchchecken plane ich schon mal einen möglichen Reha-Sommerurlaub 2008 in der medizinischen Geborgenheit Deutschlands. Denn eins steht für mich fest: Das Jahr 2008 begebe ich mich nicht in die einsame Wildnis mit unkalkulierbaren, medi-zinischen Versorgungslücken. Sollte der nächste Herzinfarkt anklopfen, möchte ich diesmal in einer angemessenen Zeit in einer Herzklinik sein! Deshalb erwäge ich, meiner Familie für 2008 eine Kanugepäcktour auf der Deutschen Elbe vorzuschlagen. Wär' doch ganz nett, oder? (Wenn da nicht überall die Sachsen wären) Jedenfalls gibt's in Leibzig eine sehr gute Herzklinik. Dort hat sich mein Kumpel Erich Schust eine neue Herzklappe einbauen lassen! Und die klappt gut!


Also, 2008 bleiben wir beim Paddeln auf deutschen Wanderflüssen wie Lahn, Fulda und Weser, wo wir die letzten 15 Jahre mehrmals jährlich mit Schulklassen unterwegs waren. Die Elbe stand schon lange auf dem Plan. Ab jetzt kommt sie als mein persönlicher Rehe-Fluss in die nähere Auswahl! 

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Leider liegt Bad Nauheim nicht gerade um die Ecke von unserem Wohnort Freigericht weg. Deshalb können mich meine Frau Astrid und meine Tochter Samira nur an den Wochenenden besuchen. Aber es ist, wie es ist: Besuche in Krankenhäusern, Kliniken und Pflegeheimen haben meist etwas Bedrückendes und Unerfreuliches an sich. Niemand hält sich hier freiwillig und mit Vergnügen länger auf. Deshalb machen wir - egal bei welchem Wetter - sofort einen Stadtbummel und laufen durch die winterlichen Kurparkanlagen.


Weite Strecken kann ich nicht ohne Gehhilfen laufen, da das meine kaputten Hüftgelenke nicht mehr gut aushalten. Deshalb habe ich in Bad Nauheim auch meine Krücken dabei.


Über Besuch konnte ich in den 18 Tagen in Bad Nauheim nicht klagen. Meine Schwester Erika und ihre Freunde Gerdi und Albert schauten bei mir vorbei. Albert wurde vor 15 Jahren in der Kerckhoff-Klinik an der Herzklappe operiert - und lebt heute noch. Auch Herbert wurde vor 2 Jahren in der Kerckhoff-Klinik mit Hilfe mehrerer Bypässe dem Tod von der Schippe geholt und besuchte mich jetzt in Bad Nauheim. Silke war einen ganzen Sonntag lang eine interessante Gesprächspartnerin. Rita opferte mir einen langen Donnerstagnachmittag. Elli und Robert kamen abends noch aus Freigericht vorbei.


Als Rita zu Besuch kam und wir gerade an der "Hotelbar" beim Kaffee saßen, heulten die Feuerarlarm-Sirenen. Es klang nach Übungsalarm und alle Reha-Patienten und Bediensteten mussten das Gebäude sofort verlassen. Leider dauerte die "Übung" etwas länger, denn die Sache war echt! Im Keller der Wetterau-Klinik war im Möbellager ein Feuer ausgebrochen und giftige Gase durchzogen bis zum Abend das Haus. Blöderweise war ich nur sommerlich und mit Badelatschen bekleidet. Nach einer Stunde durften sich alle frierenden Menschen in der Sporthalle der Reha-Anstalt aufhalten!

Neben den Reha-life-Besuchen und echtem Feueralarm sorgten zahlreiche Anrufe von Astrid, Samira, Erika, Rita, Sina, Silke, Waltraud, Elisabeth, Alwin, Herbert, Robin, Robert und Kollegen aus der Schule für Abwechslung.

Auch eine paar aufmunternde E-Mails erreichten mich auf dem veralteten Reha-Computer im "Internet-Cafe" der Wetterau-Klinik:

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Lieber Herr Kassel,

als gelegentlicher Besucher Ihrer Homepage wünsche ich Ihnen und Ihrer Familie nach dem sehr unschönen Ende des Skiurlaubes alles Gute für das restliche Sport- und Urlaubsjahr 2008. Ich drücke die Daumen, dass Sie von weiteren Katastrophen verschont bleiben und Ihrer Sportleidenschaft uneingeschränkt weiter nachgehen können und man immer mal wieder etwas Neues von der Kasssel-Family hört.

Gruß Thilo Schmalgemeier

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Gruß von der Donau,

na, du machst mir Sorgen! Vergiss nicht, wir haben mal geschrieben, dass wir uns auf irgend welchen
Flüssen zu einem Glas Wein treffen.
Wo und wann überlassen wir dem Zufall ;-)

Also, mach' mir nicht immer Angst (die bekomme ich selber manchmal, glaube über 50
ist sogar dass normal). Ich denke, dein Wille und deine Kraft bringen dich bald wieder nach oben.
Die Eskimorolle kannst du ja, also einmal durchdrehen und weiter.................

Wünsche dir alles Gute
und Gruß an deine "Wunderbare Familie" (hast, glaube ich, eine ganz besondere ;-) )

Mir fällt gerade noch ein Geburtstagsgruß ein, den ich meist an Geburtstagen an Freunde schreibe
und es war wohl nochmal ein Geburtstag für dich.

Die alten Kelten sollen gesagt haben:

Lebe, solange du willst,
und wolle es, solange du lebst.

Alles Gute
Sepp

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"Betreff: Entlassung ??? Anschließende Sicherheitsverwahrung ???

Moin Gerd ,

wenn ich das noch richtig erinnere, hast Du die "Chance auf Entlassung" in den nächsten Tagen.(?)
Ich hoffe stark, dass Du dem gewissenhaften Ins-Gewissen-reden der Wissenden, dem penetranten Pfefferminztee und der hirnmordenden Langeweile einer Rehaeinrichtung nicht erlegen bist !!!

Ich habe neulich nochmals auf Deiner Page einiges "nachgelesen", da ich in diesem Schulhalbjahr an einem Segel- und Paddelprojekt teilnehmen  /mitorganisieren werde (egal) - da kommt mein Junior angedackelt, hockt sich auf den zweiten Bürostuhl und schaut `ne halbe Stunde stumm (selten für ihn!) zu. Schließlich fragt er mich, "wer eigentlich der graue Opa  da auf den Bildern immer ist " ...
Nun - ich hab ehrlicherweise erstmal in meine Kaffeetasse geschmunzelt und schließlich ihm ganz ernst (selten für mich!) erklärt, wer Du bist und was Du so machst. Er fand das ganz spannend ... bis zu dem Punkt, wo ich anmerkte, dass Du Lehrer bist - er hoppste vom Stuhl mit den Worten, dass Du "vielleicht ja nett bist, aber deswegen immer so grimmig schaust, weil Du das ja musst als Lehrer!"  - ohne Worte!

Er meinte im Besonderen Deine Pics Panik im Hirn ... war aber sehr angetan von dem Bild des "Steinklumpenherz" (von Deiner Jüngsten). Er erinnerte mich spontan daran, dass wir ja ..."auch immer von überall her ... aus Europa und so ... und auch mal von weiter weg immer die tollsten Klumpensteine mitnehmen und fotoknipsen ..." und ich Dir "auch mal einen schenken soll ... so`n fotoknipsten, denn ins Krankenscheißhaus (unzensierter Originalton Jakob) hinfahren ist doch nicht zu machen bis es dunkel wird!"

In diesem Sinne - Sohnemanns Wunsch bleibt Befehl - ein fotoknipster Klumpenstein aus Steibeck (Ostsee MVP) im Anhang!

Wenn Dir der Kaffee wieder schmeckt (...und die Kippe?) werde ich mich mal wieder melden.

Gruß aus dem wie immer nasskalten Norden ...   JAN (& JAKOB)

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Ein (zu Recht) wenig bemitleidendes E-Mail von meiner jüngeren Schwester Elke aus Flensburg:

Lieber Gerd!

Zunächst einmal wundert mich, dass dieser Supergau, der jetzt eingetreten ist, für Dich überaschend und unerwartet kam - erinnere ich mich noch allzu gut an die vielen Gespräche mit Dir, in denen Du immer betont hast, lieber auf einem Höhenflug tot umzufallen als erst gar keine Höhe mehr zu erreichen - aber wahrscheinlich fühlt sich das in der Realität eben doch ganz anders an als man sich das vorher vorgestellt hat.  Diese Intensität an Erlebnissen und Erfahrungen , wie Ihr sie seit Jahrzehnten erlebt ,davon können die meisten Menschen nur ihr Leben lang träumen. Viele bewundern und beneiden Euch um dieses "wilde Leben" und würden sich riesig freuen, nur einen Bruchteil davon erlebt zu haben  - aber alles, alles, alles hat seinen Preis!!! Ich dachte immer ,Du wärest bereit, den Preis zu bezahlen !? Das erklärt vielleicht auch das rege Interesse der vielen Menschen, die Deine Berichte lesen. Allerdings nicht zuletzt wegen Deiner einfach tollen und interessanten Art zu schreiben. Meiner Meinung nach hast Du ein echtes Talent und Du hättest auch Schriftsteller werden können........

.......Übrigens geht mir Deine für manche anstössige Offenheit über Dein Privatleben im Internet sehr nahe und immer profitiere ich von der Art Deines Erlebens - und so geht es sicher Einigen. Die anderen können ja den Computer ausschalten. Das ist meine Meinung dazu : ich bin sehr stolz auf Dich!!!                                                                             

Viele liebe Grüsse an Dich und Deine Familie!

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Hallo Gerd,

was machst Du denn für Sachen? Ich dachte immer, die aktiven Sportler haben die besten Herzen.... Oh Mann, da hast Du ja echt Glück gehabt. Ich finde solche Sachen immer furchtbar und kann mir anhand Deiner Bilder gut vorstellen, wie Du dich gefühlt hast. Auch wenn es nicht Dein Ding ist, gehe regelmäßig zur Kontrolle. Denn wenn man sich gut fühlt und an nichts Böses denkt, bekommt man voll eine rein........Deine Website gefällt mir. Werde sie mal in Ruhe lesen, wenn ich am Wochenende etwas mehr Zeit habe.

Habe eben mit Robert telefoniert. Er meinte, Du seist ein Ersatzteillager. Bist Du noch da unten oder schon wieder zuhause? Wie wäre es mit einem kleinen Besuch, abends nach der Arbeit? Robert würde es gut finden, ich auch....... So, ich wünsche Dir weiterhin gute Besserung. Vielleicht sehen wir uns ja bald mal. Viele Grüße an Deine Frauen.
Elli

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Hi Gerd,

wir haben vor Jahren mal zusammen in Palfau gepaddelt, gesungen und am Lagerfeuer gesessen. Mit Hans-Jörg und ein paar anderen Leuten von NORD-SÜD.

Habe dann mal immer wieder was von Dir gehört, zuletzt, dass es Dich beim Snowboarden doch sehr zerlegt hat mit einem Haufen Komplikationen, wie ich dann auch auf Deiner Homepage leider sehr eindrücklich nachlesen konnte. Wollte jetzt mal auf Deiner Seite nachlesen, wie Du mit der Heilung voran kommst und jetzt muss ich lesen, dass Du einen Herzinfarkt hattest!

Also, jetzt solltest Du es mal gut sein lassen mit solchen Horror-Geschichten! Die Welt (oder dieses Land?) braucht noch ein paar Menschen mit einer „vernünftigen“ Einstellung zur Natur, die sind schon selten genug! (ok, das Land würde diese Leute aktuell nicht sehr vermissen, aber ich, denn ähnlich denkende Menschen findet man nicht an jeder Ecke).

Schau mal zu, dass Du wieder fit wirst!

Habe übrigens einen Job an der Deutschen Sporthochschule in Köln ergattert (Bereich Wassersport). Da könnte ich mir gut vorstellen, Dich mal für einen Vortrag einzuladen. Die Bedeutung von Naturerfahrung für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen – oder das Fehlen von Naturerfahrung und die Folgen (oder so was Ähnliches). Oder doch lieber  vom Sinn "erlebnisarmer", langer, zäher Kanutouren in der handlungsorientierten Pädagogik. Noch lieber wäre mir allerdings, das Ganze erlebbar zu gestalten. Muss mir da noch was überlegen…

Auf jeden Fall wünsche ich Dir, dass Du möglichst schnell wieder auf die Beine, ins Boot oder auf/in was auch immer kommst, weiter gute Bilder und Texte machst und auch weiter das Draußensein vorleben kannst. Denke, nach ein paar Wochen sieht die Welt auch schon wieder anders aus. 

Grüße aus Köln
Edwin                                   


Lieber Edwin, ich weiß nicht, ob Dich meine Antwort auf Dein Mail vom 16.01.2008 aus der Reha-Klinik Bad Nauheim erreicht hat. Da war das PC-Equipment von vorgestern. Also, ich bin jetzt wieder zuhause und deshalb noch mal von vorn...... Es hat - zugegeben - einen längeren Moment gedauert, bis mir - hoffentlich richtig - die Zuordnung des Namens "Edwin" zu einem konkreten Gesicht gelungen ist. Die Erinnerung liegt beinahe 10 Jahre zurück. Zwischenzeitlich hat eine Gehirnblutung und ein Gehirnkrampf an meiner Erinnerungsfähigkeit genagt. Trotzdem: In der Reha Bad Nauheim habe ich mir die Langeweile damit vertrieben, tausende von Dias aus alten Vorträgen zu digitalisieren. Dabei waren auch Bilder eines Wintereinbruchs am Var, wo wir Ostern 1998 beim Paddeln von einer brutalen Kältewelle mit Schnee überrascht wurden.

Nur die Harten blieben im Paddelcamp bei Entrevaux, etliche auch in Zelten. "NORD-SÜD" zog sogar noch einen WW-Kurs durch. Und genau bei der Erinnerung daran glaube ich einen "Edwin" vor mir zu sehen: Körperlich nicht allzu groß, aber ein zäher Hund, der mit Anja Klotz zusammen die NORD-SÜD-Kurse vor Ort leitete. Ehe ich jetzt weiter denke, wäre es nett, lieber Edwin, wenn Du mir kurz bestätigen könntest, ob ich richtig liege. Aber wenn nein, Scheiße, dann ist das auch egal! 

Jedenfalls: Was Deine Lust betrifft, mit Deinen Studenten der Sport-Uni Köln ein praktisches Wochenendseminar zumThema "Naturerfahrung" zu machen, das ist kein Problem. Ich verfüge ja noch über eine "Mobile Kanuflotte" meiner Schule, die ich auch immer nach Belieben gegen eine geringe Leihgebühr "zweckentfremden" kann. Die meisten Boote gehören eh mir. Also, ich schlage vor: Ein Lahn-Wochenend-Seminar im Frühsommer (Mai, da ist die Lahn noch außerhalb der langen Wochenenden schön leer) von Freitag bis Sonntag mit 2 Zeltübernachtungen in Schooleck (Treffpunkt Freitag Nachmittag) und Weilburg (Samstag), Zielort Sonntagabend Runkel. Lagerfeuer-Seminar, Diavorträge Open Air, Projekt-Videofilme, alles ist möglich - für wenig Geld!  Dazu als Vorbereitung mein neuer KANUPROJEKTREADER + Begleit-DVD (eine Gemeinschaftsproduktion mit meiner großen Tochter Sina, die jetzt in München als Sportlehrerin arbeitet und über das Thema 2007 ihre erste Examensarbeit geschrieben hat)). Das Kanuprojekt-Buch erscheint in Kürze in Marginal-Billigdruck für arme Studenten beim Pollner-Verlag (siehe Anhang). Also, lieber Edwin, wer auch immer Du bist, wir können zum Thema "Naturerfahrung" was zusammen durchziehen. In der Schule habe ich zwar jetzt meine erlebnispädagogischen Großprojekte aus gesundheitlichen Gründen beendet, aber so kleinere Projekte mit netten Studenten betrachte ich eher als Vergnügen. Kein Vergnügen war mein letztes Lahnprojekt im Mai 2007 mit sehr schwierigen Kids bei schwierigem Wetter, das ich kurz vorm Rhein abbrechen musste (Siehe http://www.kanukassel.de/110923/359735.html). Danach brach mein Immunsystem zusammen und eine neue Knochenmark-Sepsis brach aus (Siehe http://www.kanukassel.de/137481/370153.html)  Deshalb ist jetzt Schluss mit Stress. Der aktuelle Herzinfarkt hat mir diesbezüglich den Rest gegeben. Ich muss jetzt zumindest beruflich 2 Gänge zurückschalten. Und privat: Na ja, mal sehen. Irgendwas geht immer! Möchte in den Osterferien wieder im Pitztal/Kaunertal Skifahren. Schließlich haben wir noch einen gültigen Saison-Skipass von der Gegend! (siehe http://www.kanukassel.de/69282/462981.html, http://www.kanukassel.de/69282/462981.html und http://www.kanukassel.de/69282/443971.html#top).

Herzliche Grüße Gerd Kassel   

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O.k. so ganz sinnlos war mein Reha-Aufenthalt in Bad Nauheim nicht. Denn nach einem Herzinfarkt gilt es, Einiges zu kapieren und in Zukunft richtig zu machen - will man einen erneuten Herzinfarkt verhindern. Dazu gehören die richtigen Herzmedikamente in der richtigen Dosierung. Diese Einstellung muss sorgfältig durch Blutbilder und EKGs überwacht werden. Das geht am besten nur bei einem stationären Reha-Aufenthalt. So musste ich die letzte Nacht in Bad Nauheim noch mal auf der Intensivstation verbringen, weil meine Herzfrequenz (Puls) in Ruhe auf 45 Schläge pro Minute gefallen war. Was passiert da erst nachts im Schlaf? Sinkt der Puls noch weiter ab und gibt es womöglich Aussetzer? Das konnte nur eine Nacht auf Intensiv klären mit Verkabelung an Langzeit-EKG, Pulsmesser und Arztüberwachung! 

Auf lange Zeit muss ich von nun an 5 Medikmente täglich einschaufeln. Das wichtigste ist im Moment und für die Dauer eines Jahres ein starker Blutverdünner mit dem Wirkstoff Clopidogrel. Dieses Medikament soll verhindern, dass sich Blutplättchen am "rauen" Stent (Metalspirale) absetzen und ein Blutgerinnsel verursachen. Das würde wieder die rechte Herzkranzarterie verstopfen und zu einem erneuten Herzinfarkt führen.


"Plavix" heißt der Blutverdünner, den ich täglich morgens schlucke. Er ist sündhaft teuer, aber zwingend notwendig.


Wie bei fast allen Medikamenten gibt es verschiedene Hersteller mit unterschiedlichen Preisen. Trotzdem soll überall das gleiche drin sein. Das bezweifle ich mittlerweile, da angeblich vollkommen identische Medikamente bei mir unterschiedliche Reaktionen in Wirkung und Verträglichkeit hervorrufen! So teste ich 2 gleiche ACE-Hemmer zur Blutdrucksenkung von unterschiedlichen Herstellern.


In der Wetterau-Klinik Bau Nauheim bekomme ich zum Schluss abends 2,5 mg Delix als ACE-Hemmer. Dieses Medikament soll zusammen mit Betablocker auch verhindern, dass erneut Fettablagerungen in den Herzkranzgefäßen aufplatzen und zu einem Butgerinnsel führen.  


Lange Zeit schon habe ich den Betablocker "Concor" in 3,75 mg-Dosis zur Blutdrucksenkung genommen, bis mir der Stationsarzt Dr. Müller in Bad Nauheim erklärte, es gäbe ein besseres der 3. Generation der Betablocker! Von nun an nehme ich täglich eine halbe Tablette "Nebilet 5" und fühle mich weniger "gedrosselt".


Das Medikament mit den wenigsten Nebenwirkungen ist Aspirin, dass ich nun täglich für den Rest meines Lebens als Blutverdünner in 100mg-Dosis schlucke.


All' diese Medikamente und verschiedene Speisen lösen bei mir immer wieder Sodbrennen, bzw. eine starke Übersäuerung des Magens aus. Deshalb muss ich bei Bedarf noch den Säureblocker  Pantozol 40mg einpfeifen.


Zur Zeit zeigt sich bei Zucker-Tests der Beginn einer Diabetis. Bei 2 Glukose-Toleranz-Tests kamen zu hohe Werte raus. Ein dritter muss in Kürze zeigen, ob ich nun auch noch Diabetiker bin! Prost Mahlzeit!

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Ja, beinahe hätte ich das ja ganz vergessen! Ich bin ja in der Wetterau-Klinik in Bad Nauheim, um behandelt zu werden. Dafür gibt es einen genauen Behandlungsplan, wo die Urzeit, die Leistung, der Mitarbeiter und der Raum genau benannt sind.

In den ersten 2 Tagen meiner 18-Tage-Reha werde ich durch eine Eingangsuntersuchung (15 min.) durch Ultraschall Herz (15 min., und in den ersten 5 Tagen durch Begrüßung (60 min.), durch Blutzuckertest (5 min.), durch 3x15 min. Ergometertraining,  durch Gruppengymnastik (30 min.) und durch Vortrag über herzgesunde Ernähung (60 min.) insgesamt 260 Minuten "behandelt". Das sind 4 Stunden und 20 Minuten in 5 Tagen = 120 Stunden Aufenthalt. Dann kommt das Wochenende ohne Behandlung. Am Montag, den 21.01.2008, habe ich dann noch satte 120 Behandlungsminuten mit Kreislaufgymnastik, Ergometer-Zielpulstraining, Nichtraucher- und Entspannungstraining. DAS SIND IN DER ERSTEN WOCHE MEINES REHA-AUFENTHALTS IN DER WETTERAU-KLINIK GENAU 380 MINUTEN BEHANDLUNGSZEIT! Entschuldigung: Das ist mir zu wenig! Unter Reha hätte ich mir etwas anderes wie blöd rumhängen vorgestellt!   


Etwa die Hälfte der "Behandlung" war für mich informativ und sinnvoll, der Rest war Beschäftigungstherapie, die ich mir selbst am besten gestalten kann! Für die wichtigen Bestandteile der Herz-Reha hätten 2-3 voll ausgenutzte Tage gereicht!  


Es soll ja eine Menge Leute geben in unserem Land, die finden Reha Klasse - aus welchen Gründen auch immer. Zum Erholen, zum Entspannen, zum kranke Leute kennenlernen, zum Jammern, Klagen, Abnehmen, Northern Walking lernen usw. All das brauch' ich nicht - und wenn doch, dann kann ich mir das am besten selbst organisieren! 



Eins weiß ich heute mit Sicherheit: Nie wieder in meinem Leben, sosehr mich auch noch kommende Krankheiten beuteln werden, bringt mich irgendwer oder irgendwas in eine Reha-Klinik!


Mein Aufenthalt in der Wetterau-Klinik hat meine Kostenträger 2226,06 Euro gekostet. Ich weiß heute mehr über Herzerkrankungen und ihre Behandlung als vorher und bin gut auf notwendige Medikamente eingestellt. Aber das hätte ich auch kürzer und billiger haben können!

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Nach einem gut verlaufenen Belastungs-EKG bekomme ich vom Stationsarzt Dr. Müller in mein Behandlungsbuch eingetragen, dass ich Fahrrad fahren darf. Das ist ja schon mal etwas! Denn in den Fitnessraum und ins Schwimmbad darf ich leider noch lange nicht.

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So ziemlich das erste, was man in der Wetterau-Klinik in die Hand gedrückt bekommt ist ein Behandlungsbuch, das man überall mit hinbringen soll und in das so gut wie nichts eingetragen wird.


Außer diesen Daten hier. Die Seite habe ich am Reha-Ende fotokopiert. Das Heftchen hat eher so eine Alibi-Vorzeigefunktion

Irgendjemand hat mich im Behnadlungsbuch in die NYHA-Klasse 1 eingestuft. Die besagt, dass ich keine spürbare Macke vom Herzinfarkt zurückbehalten habe.

NYHA-Klassifikation aus Wikipedia: Die NYHA-Klassifikation ist ein ursprünglich von der New York Heart Association veröffentlichtes Schema zur Einteilung von Herzkrankheiten. Am häufigsten wird sie zur Einteilung der Herzinsuffizienz in verschiedene Stadien entsprechend der Leistungsfähigkeit des Patienten verwendet, daneben gibt es Anpassungen an andere Erkrankungen wie z. B. die Pulmonale Hypertonie.

Verschiedene Versionen und Übersetzungen der NYHA-Klassifikation unterscheiden sich im Wortlaut geringfügig, im deutschsprachigen Raum ist derzeit die u. a. 2005 in den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie verwendete Version am gebräuchlichsten:I. Herzerkrankung ohne körperliche Limitation. Alltägliche körperliche Belastung verursacht keine inadäquate Erschöpfung, Rhythmusstörungen, Luftnot oder Angina pectoris II. Herzerkrankung mit leichter Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit. Keine Beschwerden in Ruhe. Alltägliche körperliche Belastung verursacht Erschöpfung, Rhythmusstörungen, Luftnot oder Angina pectoris III. Herzerkrankung mit höhergradiger Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit bei gewohnter Tätigkeit. Keine Beschwerden in Ruhe. Geringe körperliche Belastung verursacht Erschöpfung, Rhythmusstörungen, Luftnot oder Angina pectoris IV. Herzerkrankung mit Beschwerden bei allen körperlichen Aktivitäten und in Ruhe. Bettlägerigkeit.

Dafür, dass ich in NYHA 1 eingestuft wurde, darf ich beim Ergometer-Zielpulstraining nur recht wenig Leistung bringen. Bei dieser Fahrradtreterei werden die Ergebnisse gewissenhaft in mein Behandlungs-buch eingetragen - ohne dass sich auch nur ein Mensch wirklich dafür interessiert!


Aber o.k.! Ich darf jetzt ab dem 4. Tag Fahrrad fahren. Schwimmen ist bei einem frischen Herzinfarkt noch zu gefährlich, da das Blut vom Wasserdruck zum Herzen hin gedrückt wird.

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In der Wetterau-Klinik gibt es Fahrradfahren auf dem Behandlungsplan. 1x in 18 Tagen steht das auch auf meinem Plan. Das ist zu wenig. Aber ich kann mir für 4 Euro 24 Stunden lang ein Reha-Fahrrad der Klinik  ausleihen und auf eigene Faust losradeln - was ich prompt auch tue. 


Ich nehme extra ein Rad mit besonders tiefem Einstieg. Das ist für meine kaputten Beine und versteiften Hüften das beste beim Auf- und Absteigen.


Bei diesem Reha-Fahrrad handelt es sich um ein bequemes 3-Gang-Rad für gemütliche Touren im Flachland. 


An der Wetterau-Klinik führt die Usa vorbei, ein kleines Flüsschen, an dem man auch kilometerweit auf guten Wegen radeln kann.


Natürlich frage ich mich auch, ob man das Flüsschen vielleicht paddeln kann. Ich schaue im Deutschen Flusswanderbuch nach und finde - nichts! 


Bei meinen Radeltouren entlang der Usa benutze ich erstmals meinen neuen Pulsmesser, den ich in Friedberg in einem Sportgeschäft gekauft und an den Fahrradlenker montiert habe.


Mit diesem Pulsmesser, der per Funk die Herzfrequenz von einem Ablesebrustgurt übermittelt bekommt, habe ich meine Leistung stets im Blickfeld und bin bemüht, 120 Pulsschläge pro Minute nicht zu überschreiten.

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Pulsmesser gibt es in unterschiedlichen Ausführungen und Preisklassen. Ich brauche nur eine, die zuverlässig meinen Puls misst und ordentlich sichtbar macht. Die Nobelklasse ist POLAR, aber der fachkundige Verkäufer macht mich darauf aufmerksam, dass bei SIGMA-Uhren die Batterie billiger zu wechseln ist. Also kaufe ich mir für 50 Euro einen SIGMA-Pulsmesser!


Mit diversen Tasten lassen sich neben der Pulsanzeige auch die Uhrzeit, die Trainingszeit und Alarme aktivieren.


Der Pulsableser wird mit einem Gummigurt um den Brustkorb auf Höhe des Herzes geschnallt. Er funkt die Herzfrequenz zur Uhr am Arm oder Fahrradlenker.


Aus einer Tabelle lässt sich ableiten, welche Pulszahlen bei welchem Alter, unterschieden nach Mann und Frau, mit welchem Trainingsziel am besten sind.


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Mit dem Reha-Fahrrad erkunde ich im Laufe der Reha-Tage die Kurstadt Bad Nauheim und die nähere Umgebung. So kann ich ein wenig meine Bewegungszeiten erhöhen und dazu beitragen, dass das wenige Essen allmählich auch zur Gewichtsreduktion führt.


Eine besondere Leistung für einen Herzpatienten  besteht darin, mit einem 3-Gang-Rad auf den Jahannisberg zu fahren. Dabei muss ich absteigen, da mein Puls über 120 geht. 


Aber schöne Touren führen mich durch die Flussaue der Usa auch nach Friedberg und woandershin.


Die kleinen Radtouren tragen dazu bei, dass mir in der Reha-Klinik in Zimmer 308 nicht ständig die Decke auf den Kopf fällt.


http://www.kanukassel.de/137481/471812.html

 
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