

7 KNOCHENFRAKTUREN, 2 NASENBEINTRÜMMERBRÜCHE, 1 VERBRENNUNG, 1 KNOCHENMARKSEPSIS, 1 GEHIRNKRAMPF, 1 GEHIRNBLUTUNG, 14 OPERATIONEN! WOCHENLANG KRANKENHÄUSER, MONATELANG KLOSTUHL, ROLLSTUHL, ACHSELGEHWAGEN, JAHRELANG KRÜCKEN!
ES IST MIR ZWAR GELUNGEN, DIESE "DATEIEN" ZU VERSTECKEN, ABER BESEITIGEN LASSEN SIE SICH NICHT MEHR! UND DANN KOMMEN PLÖTZLICH MOMENTE, WENN MEIN "RECHNER" ABSTÜRZT, WENN VIREN UND TROJANER CHAOS IM HIRN VERURSACHEN - MEIST MITTEN IN DER NACHT: DANN WIRBELN FOLGENDE BILDER GANZ AN DIE OBERFLÄCHE, KOMMEN WIEDER NACH VORNE, BEGINNEN ZU SCHMERZEN! EINE GEEIGNETE, WIRKUNGSVOLLE THERAPIE GEGEN SCHLECHTE ERINNERUNGEN HABE ICH BISHER NICHT GEFUNDEN! WIE MAG ES WOHL DEN VIELEN KLEINEN UND GROSSEN MENSCHEN GEHEN, DIE IN BRUTALEN KRIEGEN TRAUMATISIERT WERDEN?
DER VOLKSMUND SAGT: DIE ZEIT HEILT WUNDEN! ICH BEHAUPTE, DAS STIMMT! ABER ES SIND NUR DIE KLEINEN WUNDEN UND WEHWEHCHEN, DIE IN VERGESSENHEIT GERATEN UND AN EINFLUSS AUF DAS GEMÜT VERLIEREN! DIE GROSSEN, KRASSEN, MÄCHTIGEN, TIEFEN, GEFÄHRLICHEN WUNDEN BLEIBEN EIN LEBENLANG WIRKSAM - SEELISCH UND KÖRPERLICH! MIT DEN "DÄMONEN" DER NACHT MUSS ICH MICH "HÄUSLICH" EINRICHTEN, SONST DREHEN SIE AM RAD!
Nach schönen, abenteuerlichen und unfallfreien Jahrzehnten der Ausübung zahlreicher Natur- und Extremsportarten - Windsurfen, Segeln, Wildwasserpaddeln, Salzwasserpaddeln, Snowboarden usw. - begann mit Astrids Mountainbike-Unfall in den Cevennen im April 2000 eine beispiellose Pechsträhne, an deren Ende ich zum Schluss garnicht mehr glauben konnte. Aber jetzt ist 2007 - hinter uns liegen wieder 2 unfallfreie Jahre! Das Leben ist schön! Natursport ist schön! Wir machen wieder Dinge, die vorher unmöglich erschienen! TROTZDEM: PLÖTZLICH UND IMMER WIEDER TAUCHEN FOLGENDE und schlimmere BILDER in meiner Erinnerung auf, führen zu Schweißausbrüchen, Herzklopfen und Angst!
VERGESSEN IST UNMÖGLICH - ES HILFT NUR VERDRÄNGEN! ODER SO LANGE DRÜBER REDEN, BIS ALLES UNWIRKLICH UND ALS "ALLES ERFUNDEN" ERSCHEINT! NICHTS ALS LOCKER-FLOCKIGE KASSEL-STORIES, VON DENEN MAN EH NIE GANZ GENAU WEISS, OB SIE GELOGEN, ERFUNDEN ODER WIRKLICH WAHR SIND!

Als ich dieses Röntgenbild zum ersten Mal auf einer weiß-leuchtenden Glasscheibe über meinem Kopf sah, da wusste ich: "Kassel, das sind DEINE Beine!" Ich lag auf einer 1.Hilfe-Station irgendwo in den Bergen Frankreichs auf 1600 m und zitterte vor Kälte, Angst und Schmerzen! Aber ich war gerettet! Beinahe eine Stunde lang hatten mich fähige Leute in einem Rettungsschlitten von 2700 m heruntergeholt. Es war der 7. Januar 2003 - ein saukalter Tag!
Solche Knochenfrakturen nennt man Mehrfragment-Bruch. Auf deutsch: TRÜMMERBRUCH! Von der Sorte hatte ich mehrere! Sie haben den Nachteil, dass einzelne Knochenteilchen verloren gehen können und die Heilung mit Komplikationen aller Art verbunden sein kann - und bei mir auch war! Ein Knochensplitter wandert heute noch in der rechten Wade herum und soll sich angeblich von selbst auflösen!


Das Flickzeug und Baumaterial aus rostfreiem Metall liegt heute in einem Kästchen auf meinem Schreibtisch. In der Sammlung fehlt nur der 40cm-Titanstab, den man mir nach der OP nicht zurückgab, da er mit einem krankenhausfeindlichen Eitererreger verseucht war!
Beim Snowboardunfall in Flaine/Frankreich am 7.1.2003 wurden mir nicht nur beide Waden- und Schienbeine durchgebrochen, sondern auch das rechte Knie! Der Oberschenkelknochen hatte den Unterschenkelknochen (Tibia) am Knie gespalten! Kein Problem! Bei einer von vielen OPs wurde Knochenmasse von meinem Hüftknochen "abgeschabt", dann in die Spalte am Tibia-Knochen gestopft und bombenfest "gespaxt"!
Das Winkeleisen und die längeren Schrauben links auf dem Foto waren in meinem Knie rechts. Der Knochen ist wieder zusammengewachsen, aber das Knie ist auf Dauer lädiert, taub und wird bei Belastrung dick. Es sammelt sich Wasser, das nur schlecht abläuft!
In Frankreich wurden abends um 19 Uhr von wahrscheinlich totmüden Unfallchirurgen meine gebrochenen Waden- und Schienbeine auf die Schnelle - und leider nicht fehlerfrei - "verplattet"! Schlecht ist, wenn die Knochen schief zusammengeschraubt werden und Schrauben in den Bruchstellen sitzen! Bei mir war beides der Fall! Deshalb musste 2 Wochen später bei der Rückkehr nach Deutschland nachoperiert werden!
Das hier sieht nach sauberer Arbeit aus! Nur hatten die Franzosen vergessen, das rumzammelte Wadenbein auch noch zu flicken!
Am rechten Bein blieb beim Nachoperieren in Deutschland die französische Schienenbeinplatte drin. Das war auch gut so, denn hier entstanden keine Komplikationen - bis auf die Tatsache, dass ich seit damals O-Beine habe. Aber das kann vorkommen!
Links erschien meinem deutschen Stammkrankenhaus-Chirurgen irgendwas besonders schief und falsch. Deshalb wählte er hier die "ordentliche" Lösung:
Nachträglicher Einbau eines 40-cm-Titanstabs - genannt MARKNAGEL! Vor dem Einbau wird mit einem entsprechend langen Bohrer soviel Knochenmark rausgebohrt, bis der 9mm-Nagel ohne Vorschlaghammer reingeht! Oben und unten wird die Stange mit jeweils 2 Schrauben fixiert! Das hier sieht bei ersten Kontrollaufnahmen ordentlich und sauber aus! Später nicht mehr!
Das rechte Bein beginnt an der Bruchstelle neue Knochenmasse zu bilden. Das ist gut so!
Während das eine Bein im Laufe der Monate langsam zusammenwächst, macht das andere ganz merkwürdige "Faxen"!
Sowas nennt man PSEUDARTHROSE! An der Bruchstelle wächst nix zusammen, dafür versucht der Körper ein neues Gelenk zu bauen. Später stellt sich raus, dass hier auch nichts zusammenwachsen kann, da das Knochenmark vereitert ist. Sowas nennt man SEPSIS! Und auch Künstlerpech und große Scheiße! Es folgen schlimme Komplikationen mit etlichen neuen Operationen und ......

Die ekligen Sekunden von Astrid und mir in insgesamt 7 Krankenhäusern in 3 Staaten (Lodeve, Montpellier, Sneek/Holland, Cluses, Wasserlos-Alzenau, Frankfurt, Dillenburg) summieren sich zu Minuten, Stunden, Tagen, Wochen und Monaten!
Die einzigen schönen Momente im Krankenhaus, das sind die Besuche von meiner Familie.
Jeden Tag bekomme ich Besuch: In Cluses/Frankreich, in Alzenau-Wasserlos, in Frankfurt, in Dillenburg!
Tochter Samira war bei allen 3 Horrorunfällen ihrer Eltern leider immer live dabei! Als ihre Mutter blutüberströmt und mit zertrümmertem Nasenbein in den Cevennen vom Baguette-Einkauf zurückkam, da war sie erst 5 Jahre alt. An dem Tag, als ihr Vater beim Windsurfen mit gebrochenen Knochen bei Windstärke 9 in Holland zu ertrinken drohte, da wurde sie gerade 6 Jahre alt. Als ihr Vater mit 5 Trümmerbrüchen im Schnee niedersank, fuhr sie mit 8 Jahren auf dem Snowboard direkt hinter ihm und wurde Zeuge einer dramatischen Bergung!
Die Jahre drauf machte sich Samira ständig um ihre Eltern Sorgen und wollte sie am liebsten keine Sekunde mehr aus den Augen lassen. Die Unfallfolgen waren auch für sie verdammt traumatisch! Hier hat sie mir ein geliebtes Spagetti-Eis mit ins Krankenhaus gebracht!
Anfangs ist ein Krankenhaus ätzend. Man will sofort wieder nach Hause. Doch wenn das unmöglich ist, dann bleibt einem nichts anderes übrig, als sich "häuslich" einzurichten!
Man wird von Tag zu Tag bescheidener und freut sich schon über winzig kleine Veränderungen und Fortschritte. Die bestehen hier darin, dass es mir gelingt, alleine aus dem Bett rückwärts auf den Klostuhl zu rutschen, um im Sitzen mal lesen oder essen zu können.
Nach OPs hängen immer wieder einige Tage diese "Blutsauger" an Schläuchen an mir rum. Anfangs haben die mich ans Bett gefesselt, bis ich auf die Idee kam, sie einfach an den Tropfständer zu hängen. Mit rollbarem Tropfständer und rollbarem Klostuhl war ich plötzlich trotz zweier frisch operierter Beine wieder mobil!
Doch operierte Beine müssen über Monate und Jahre die meiste Zeit hoch liegen, weil sich sonst ein Blut- und Wasserstau bildet, der höllisch schmerzt und zur Thrombose führen kann.
In den ersten Tagen nach einer OP sind die Schmerzen sehr stark. Ohne Schmerzblocker komme ich in der Zeit nicht aus! Meist bevorzuge ich einen Cocktail aus Tramal und Novalgin, ab und an noch Voltaren und nachts ein Schlafmittel!
Diese Blut aus der OP-Wunde ziehenden Vakuumflaschen verursachen eigentlich keine Schmerzen. Nur wenn die Schläuche aus der Wunde gezogen werden, muss man kurz die Luft anhalten und die Hände in die Bettdecke krallen, weil man sich sonst bei der hübschen Krankenschwester mit einem unkontrollierten Schmerzschrei blamiert.
Allmählich gelingt es mir, nach Tagen im OP-Hemd zivile Klamotten für einen Roller-Ausflug auf die Toilette und in die Krankenhauskantine anzuziehen.
Da man ja im Krankenhaus ungemein bescheiden wird, freut man sich sehr darüber, wenn morgens ein paar Sonnenstrahlen ins Krankenzimmer gelangen. Auch der Blick aus dem Fenster auf die allmählich grün werdende Landschaft und die vorüberziehenden Wolken regen die Lebensgeister wieder an.
Abendessen gibt es bereits um 17 Uhr. Danach beginnt bereits die lange, lange Nacht.
Viele Leute beklagen sich über das schlechte Krankenhausessen. Mir ist es egal, was ich esse. Blöd ist, dass das viele Liegen und nicht mehr Laufen können zu rasantem Muskelschwund führt. Trotzdem wird man dicker, sprich fetter! Die Kalorien die ich esse, um meinen Hunger zu stillen, werden vom daniederliegenden Körper gar nicht mehr gebraucht!
2 Brotscheiben, 1 Stück Butter, 2 Wurstscheiben, 1 Käsescheibe, 1/4 Tomate, 1 Blatt Salat, 1 Apfel, 1 Tasse Tee = Abendessen. Eigentlich bescheiden, aber schon zuviel, wenn der Körper nichts schafft.
So, jetzt bin ich startklar für einen längeren Krankenhausausflug. Ich habe mich alleine umgezogen, rückwärts aus dem Bett in den Klostuhl geschafft, die 3 Flaschen ordentlich am rollbaren Flaschenständer eingehängt und will los! Doch da taucht das erste Problem auf! Wie bewege ich den Klostuhl vorwärts und nehme gleichzeitig auch noch den Flaschenständer mit? Wie bekomme ich die Zimmertür auf und zu?
Tja, allein läuft da noch nix! Da brauche ich doch wohl erst einen richtigen Rollstuhl mit Bewegungsrädern an der Seite. Im örtlichen Sanitätshaus bestelle ich mir sofort einen und bitte auch um einen Katalog mit sportlichen Turbo-Rollstühlen. Es wird Zeit, dass ich wieder in die Gänge komme.
Bei der letzten OP wurde das Metall entfernt, das auf dem Tisch vor mir liegt. Das rechte Bein kann bereits ohne diese Platten, Winkeleisen und Schrauben auskommen. Im linken Bein........? Hab ich vergessen, die Reihenfolge der Arbeiten bei insgesamt 14 OPs!
Damals - 2004 - habe ich noch geraucht und extra ein Einzelzimmer genommen, um auf dem Klo "heimlich" rauchen zu können. Absurd, aber wahr!
Eigentlich hätte man in die OP-Wunden Reißverschlüsse einbauen sollen, denn sie wurden öfter wieder auf und zu gemacht!
In den verschiedenen Krankenhäusern bevorzugen die Chef-Chirurgen verschiedene Nähtechniken. Manche können richtig ordentlich nähen. Das wird ja nicht mit der Maschine, sondern blitzschnell mit der Hand gemacht. Blöd ist es, wenn hier einer noch nicht so gut in Übung ist - und so näht wie ich!
So, jetzt sind die diversen Tropf- und Blutsaugerflaschen ab und ich habe statt Klostuhl einen relativ geländegängigen Rollstuhl unter dem Hintern. Jetzt bin ich glücklich und mobil. Ich hätte nie gedacht, dass ich mich jemals so über den herrlichen Anblick eines Krankenhausparks freuen könnte wie hier in Frankfurt in der Unfallklinik!

Ich muss gestehen: ich war bei allen Unfällen im Anschluss an den stationären Aufenthalt im Krankenhaus nie in einer speziellen REHA-Klinik. Das hatte 2 Gründe: 1. war ich direkt nach einer OP und zügiger Entlassung aus dem Krankenhaus noch gar nicht rehafähig, sondern musste zuhause im Bett liegen und von meiner Familie gepflegt werden. Eine REHA-Maßnahme wird aber nur als Krankenhaus-Anschlussbehandlung bezahlt. D.h. man muss aus dem Krankenhaus direkt in die REHA-Klinik und nicht erst Wochen später! Schwachsinn, aber Tatsache! Als ich endlich rehafähig war, da habe ich die Sache eben selbst in die Hand genommen - und mit Kassel-Methoden den Muskelschwund bekämpft.
Zuerst mal brauchte ich eine Orthese für das noch nicht optimal zusammen gewachsene, linke Schienbein!
Die Orthese trug ich etwa ein halbes Jahr, bis ich es wagte, das Pseudarthrose-Bein wieder ohne "Plastikgips" voll zu belasten!
Eine Orthese sieht auf den 1. Blick bequemer aus als sie in Wirklichkeit ist. Nach Stunden hat man einen ähnlichen "Tragekomfort" wie bei einer Nummer zu kleinen Skischuhen!

Schon kurz nach den ersten OPs kaufte ich mir im April 2003 wildentschlossen im PENNY-Markt ein günstiges DAMENFAHRRAD. Hätte ich gewusst, dass es die nächsten Jahre mein wichtigstes Fortbewegungsmittel und REHA-Gefährt wird, dann hätte ich mehr auf Qualität geachtet.
Mit dem Fahrrad kam ich zum See, wo Alex mit dem Kajak auf mich wartete!
Das Problem ist, wie komme ich mit 2 noch nicht fest zusammengewachsenen und frisch operiertenn Beinen in das enge Cockpit eines Allround-Kajaks?
O.K. Etwas wagemutig, aber supergut! Kentern darf ich natürlich nicht! Jetzt kann ich Arme und Oberkörper wieder einigermaßen in Schwung bringen!
Zwischen den verschiedenen Rückfällen und OPs waren wir trotzdem zu Kajakreisen in Italien und Frankreich unterwegs. 1/2003 brach ich mir 5 x beide Beine. 10/2003 waren wir hier bereits wieder an den Vulkanseen Mittelitaliens unterwegs. Statt Mountainbikes befand sich mein Rollstuhl auf dem Radträger am Heck.
4/2004 humpele ich bereits wieder über die Strände im Süden Frankreichs auf den Iles d'Heyeres, paddle zur Insel Porquerolles und schreibe wieder einen KANUMAGAZIN-Artikel
Schon im Krankenhaus im März 2003 bestellen Astrid und ich in den USA einen neuen, behindertenfreundlichen Hobie-Cat-Segelkatamaran. Im Sommer 2003 geht es auf dem GETAWAY wieder aufs Wasser.
Im Winter 03/04 erfinde ich das Rollstuhl-Eisskaten auf dem zugefrorenen See unseres Basislagers im Hohen Westerwald
Wenn Samira auf Schlittschuhen meinen Rollstuhl erst mal angeschoben hat, dann geht die Post ab!
Wichtig in all den Wochen, Monaten und Jahren war die Devise: Ja nicht hängen lassen!
Luafen konnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht gut! Jedenfalls nicht ohne Achselgehwagen und Krücken. Die Beine waren noch nicht verlässlich zusammengewachsen.

Nachdem ich den August 2004 mit 3 OPs in der Frankfurter Unfallklinik auf der "Spezialabteilung für Septische Chirurgie" verbracht hatte, ging es zum x-ten Male wieder aufwärts. Im Sept. 2004 ging ich wieder meiner Arbeit in der Schule nach. Doch dann kommt der nächste KNALLER! Ich wache auf der Intensivstation des Stadtkrankenhauses in Dillenburg auf, sehe aus, wie auf den Fotos nebenan und weiß nicht, wer ich bin und wie ich auf die Intensivstation gekommen bin!
Der Albtraum schlechthin: Sturz auf den Kopf, Nasenbein gebrochen, Gedächnis verloren, keine Ausweispapiere dabei! Doch dann wird mein Handy gefinden. Irgendwer ruft alle dort gespeicherten Nummern an: Meinen Sohn Robin in Ägypten, meine Tochter Sina in Südfrankreich, meine Schwester Erika in Burbach. Sie ist als erste da und kann mich identifizieren.
Beim Einkauf im OBI in Haiger, so sagt man, bin ich auf dem Parkplatz plötzlich zuckend zusammengebrochen und nach vorne aufs Gesicht gefallen. 5 Minuten Zucken und länger bewusstlos. Es war ein großer Gehirnkrampf! Eine OBI-Kassiererin hat mein Leben gerettet, indem sie sofort den Notarztwagen bestellt hat.
Mein Kopf dröhnt, die Nase schmerzt, der Blutdruck steht auf 120/180! Der Puls rast! Bin ich jetzt fertig?
Langsam! Was war? Ich dachte eigentlich im ersten Moment an einen Autounfall und war sauer, dass das Airback wohl nicht funktioniert hatte! Sonst sähe ich doch nicht so demoliert aus! Bin wohl volle Kanne gegen die Windschutzscheibe geknallt!
Irrtum! EPILEPTISCHER ANFALL! Gehirn durchgeknallt! Irgendwas megafaul! Ich bekomme Angst!
Jetzt ist der Kopf an der Reihe: Röntgen, Kernspin-Tomografie, MRT (hab' im Moment vergessen, was das genau ist - jedenfalls eine schmale Röhre, in der es laut dröhnt!)
Verdammt, was ist das? Der weiße Flecken da! Ja, das ist Blut. Blut, das da nicht hingehört! Eine Gehirnblutung also! Mein Gott! Panik! Mein Schwiegervater ist vor Kurzem an den Folgen einer Gehirnblutung gestorben!
Mir geht es schlecht! Was jetzt? Weiß keiner so genau!
Abwarten - und Tee trinken! Ich bin bei Bewusstsein, kann wieder halbwegs klar denken, hab' zwar ein paar merkwürdige Gedächtnislöcher, aber das ist normal! Sagt man!
Die Fragen, die ich habe, sind nur von akademischem Interesse: Was hat den Gehirnkrampf ausgelöst? Was hat die Gehirnblutung ausgelöst? War zuerst die Blutung, die dann den Krampf ausgelöst hat? Oder war zuerst der Krampf, dann der brutale, ungebremste Sturz auf den Kopf und danach als Folge die Gehirnblutung? Eine Antwort weiß kein Mensch. Mir vergeht der Appetit im Krankenhaus in Dillenburg!
Es heißt: Warten! Warten, was passiert! Geht die Gehirnblutung weiter? Kommt ein neuer Gehirnkrampf? Es sind fürchterliche Stunden, Tage und Wochen im September 2004! An Medikamenten benötige ich seit damals: Antiepileptika, Betablocker, Säureblocker, Antihistamin, Voltaren! Ende September 2004 gehe ich wieder in die Schule, darf aber ein halbes Jahr kein Auto fahren. Den harten Winter 2004/2005 fahre ich mit dem Fahrrad abseits von Autostraßen in die Schule - immer mit der Angst, dass ich jeden Moment einen neuen Gehirnkrampf bekomme, bei dem mich keiner mehr früh genug findet!

Im Oktober 2004 erwischt es Astrid wieder! Sie schüttet sich kochendes Wasser über das Bein, muss für 10 Tage ins Krankenhaus, hat üble Schmerzen.......
Es dauert Monate, bis die verbrannte Haut sich erholt und erneuert!
Im Krankenhaus in Gelnhausen, wo Astrid zunächst behandelt wird, kann ich sie nicht besuchen, da ich im Westerwald bin und kein Auto fahren darf! Samira befindet sich deweil in den Herbstferien für eine Woche auf einem Reiterhof im Westerwald! Das Leben ist schwierig!
Das Aussehen und die innere Ausstattung von Kranken- und Notarztwagen sind der Kassel-Family bestens bekannt........
......benso die Hintereingänge in die diversen Krankenhäuser dieser Welt!
....... und natürlich auch die Notrufnummern in aller Welt!

Egal! Wie auch immer! Geschlagen, deprimiert am Boden liegen bleiben, das funktioniert nicht. Hat auch keinen Zweck! Dort am Boden passiert nichts! Keiner hebt einen auf! Wunder sind selten! Also weiter! Wieder aufstehen! Weiterlaufen! Irgendwie! Meter für Meter!
Immer ein paar Meter weiter! Tag für Tag, Monat für Monat, Jahr für Jahr! Und siehe da! Es geht wieder! Immer weiter! Nicht gut! Aber es geht!

Während all meiner Unfälle und OPs zwischen 10/2000 und 9/2004 war ich meist in der Schule und bin meiner Arbeit nachgegangen. Folge-OPs habe ich stets auf die Ferien gelegt, sofern ich das beeinflussen konnte!
Mittlerweile laufe ich wieder ohne Krücken! Zwar humpelnd und mit Schmerzen, aber allein!
Ich hoffe sehr, dass sich diese Seite nicht noch weiter mit den Bildern neuer "Dämonen" füllt! Und wenn doch, dann ist das Schicksal, was dann wieder in die eigene Hand genommen werden muss - bis zum Ende aller Tage!
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