
SPORTUNFÄLLE, VERBRENNUNGEN, KRANKENHAUS OHNE ENDE, UNZÄHLIGE OPERATIONEN! DIE JAHRE 2003 UND 2004 WAREN FÜR DIE KASSEL-FAMILY EINE KATASTROPHE! ABER NICHTS BLEIBT, WIE ES IST! ALSO WIEDER HOCHRAPPELN UND WEITER GEHT'S! JEDENFALLS BEI UNS!

7.1.2003 IN FLAINE (FRANZÖSISCHE ALPEN) - 7.1.2005 AM ACHENSEE (TIROL). 2 JAHRE "AUSZEIT" ZUM HEILEN DER WUNDEN, ZUM VERKRAFTEN DER BLEIBENDEN SCHÄDEN. ABER DANN WIRD ES HÖCHSTE ZEIT, DASS UNSER LEBEN WIEDER SCHÖN UND LEBENSWERT WIRD. UND ES WIRD..............

Das behauptete jedenfalls noch im November 2004 ein Internist nach einer 3-stündigen Untersuchung. "Ändern Sie ihre Lebenseinstellung und unterlassen Sie Ihre Outdoor-Abenteuer! Das wird Sie umbringen!" Nun ja, ich bin kein Arzt und kann nicht alles richtig beurteilen! Aber eins weiß ich: Wenn mich was schnell umbringt, dann zu Hause rumhängen, auf dem Sofa liegen und von einem Arzt zum anderen laufen und Katastrophen- Diagnosen einsammeln!
Auch Astrid denkt da nicht anders. Im Oktober 2004 zog sie sich eine schlimme Verbrühung am linken Bein zu, lag 10 Tage im Krankenhaus - und fluchte still vor sich hin, weil sie wieder raus wollte. So, und jetzt ist Januar und wir sind wieder zusammen mit unseren Kids draußen unterwegs. Das ist einfach wichtig und tut gut - egal, was Ärzte davon halten und ob's noch etwas weh tut. Ärzte sind nicht allwissend und haben selten eine Ahnung von dem, was die Seele eines Draußenmenschen braucht!
Unsere Beine laufen wieder - also werden sie auch zum Laufen benutzt! Und zum Skifahren in den verschneiten Bergen der Alpen. Vor kurzem hörte ich ein altes Lied des noch älteren Liedermachers Reinhard May. Früher, als ich noch jung war, hab' ich dieses Lied nicht zur Kenntnis genommen und den Text überhört. Heute gefällt er mir ausgesprochen gut. Er bringt auf den Punkt, was ich zur Zeit zum Thema KRANK-STERBEN-TOD denke:

WENN’S WIRKLICH GAR NICHT ANDERS GEHT, WENN MEIN SCHREIN SCHON BEIM SCHREINER STEHT, WENN DER SO HASTIG DARAN SÄGT, ALS KÄM’S AUF EINE STUNDE AN. WENN JEDER VORWAND, JEDE LIST, IHM ZU ENTGEHEN VERGEBENS IST, WENN ICH, WIE ICH’S AUCH DREH’ UND BIEG’, DEN EIGENEN TOD NICHT SCHWÄNZEN KANN, SICH MEINE BLÄTTER HERBSTLICH FÄRBEN, WENN’S ALSO WIRKLICH ANGEHEN MUSS, HÄTT’ ICH NOCH EINEN WUNSCH ZUM SCHLUSS: ICH MÖCHT’ IM STEHEN STERBEN. WIE EIN BAUM, DEN MAN FÄLLT, EINE ÄHRE IM FELD, MÖCHT’ ICH IM STEHEN STERBEN.
WENN ICH DIES’ HAUS VERLASSEN SOLL, FÜRCHT’ ICH, GEHT DAS NICHT WÜRDEVOLL. ICH HABE VIEL ZU GERN GELEBT, UM DEMUTSVOLL BEREIT ZU STEHEN. DIE GNADE, DIE ICH MIR ERBITT’, ICH WÜRD’ GERN JENEN LETZTEN SCHRITT, WENN ICH IHN NUN MAL GEHEN MUSS, AUF MEINEN EIGENEN FÜSSEN GEHEN. EH’ GUT UND BÖSE UM MICH WERBEN, EH’ NOCH DER GROSSE STREIT AUSBRICHT, OB FEGEFEUER ODER NICHT, MÖCHT’ ICH IM STEHEN STERBEN. WIE EIN BAUM, DEN MAN FÄLLT, EINE ÄHRE IM FELD, MÖCHT’ ICH IM STEHEN STERBEN.
OHNE ZU AHNEN, WELCHE FRIST MIR HEUTE NOCH GEGEBEN IST, OHNE DAS FLÜSTERN WOHL VERTRAUTER STIMMEN VOR DER ZIMMERTÜR, OHNE ZU AHNEN, WAS MAN RAUNT, ZUM SCHLUSS NUR UNENDLICH ERSTAUNT, WENN ICH FREUND HAIN WIE EINEN EIS’GEN LUFTZUG UM MICH WEHEN SPÜR’! FÜR JENEN ABGANG, JENEN HERBEN, DER MIR SO UNSAGBAR SCHWER FÄLLT, HÄTT’ ICH DEN LEICHTESTEN GEWÄHLT: ICH MÖCHT’ IM STEHEN STERBEN!
Auf den Tag genau 2 Jahre nach dem brutalen Snowboard-Crash von Gerd Kassel in den französischen Alpen - und nur wenige Wochen nach Astrid Kassels Verbrennungsunfall - ist die Kassel-Family Anfang Januar 2005 wieder im Hochgebirge unterwegs. Und alle Fotos auf dieser Seite stammen vom 2. Jahrestag, der eine ganz besondere Bedeutung bei der REHA-Planung hatte. Der 7. Januar 2005 war 2 Jahre lang der Stichtag für neue Abenteuer!

Mit von der Partie sind Sina und Alex - quasi als "Begleitschutz" (damit nix passiert). Es ist ein warmer, sonniger Wintertag, der zum Filmen und Fotografieren einlädt.
Natürlich fangen wir wieder ganz klein an - und werden im Laufe der Zeit sehen, was noch geht und was nicht! Tochter Sina und Freund Alex wollen uns dabei begleiten. Das freut uns besonders. Denn so ganz sicher stehen wir natürlich noch nicht auf den Beinen - und die Angst vor neuen Unfällen läuft mit!

Fürs Erste wählen wir kleine Herausforderungen und kleine Berge - hier im KLEINEN Skigebiet CHRISTLUM am ACHENSEE
Alex möchte Sina das Tiefschneefahren beibringen. Deswegen laufen wir ein bisschen über die planierten Pisten des Skigebietes hinaus und suchen gute Hänge zum Abfahren, Fotografieren und Filmen!
Alex kennt sich beim TIEFSCHNEEFAHREN sowohl auf Skiern wie auch auf dem Snowboard bestens aus. Er wird Sina in dieses schwierige - und auch gefährliche - Metier einführen. Als erstes hat er ihr zu Weihnachten einen LAWINENPIEPSER geschenkt!
Sina filmt seit einem Jahr und hat ständig ihre kleine, leistungsfähige Videokamera dabei. Auf dem PC schneidet sie später schöne Filme zusammen, samt passender Musik und Kommentierung und brennt sie für uns alle auf DVD!
So, wir sind oben, genießen die Aussicht, die Sonne, die Ruhe abseits des Skipistenrummels - und überlegen, wo's am besten wieder talwärts geht!
Hier oben lassen sich heute am 7.1.2005 herrliche Fotos machen - genauso wie damals am 7.1.2003 auf 2700 m im Skigebiet von Flaine. Auch damals war ein herrlicher, sonniger, aber eiskalter Tag mit 20 Grad minus. Gegen Mittag ging dann urplötzlich und vollkommen unerwartet die Sonne unter. Ich musste mit zertrümmerten Beinen von einem kleinen Helicopter geborgen werden. Die Gedanken an damals sind heute natürlich wieder gegenwärtig und müssen verarbeitet werden. Auch deshalb sind wir hier!
Astrid musste damals am Unfalltag in den französischen Alpen unsere vollkommen entsetzte Tochter Samira sicher zu Tal bringen - beide auf Snowboards und mit den Nerven am Ende. Währenddessen wurde ich in üblem Zustand mit dem Helicopter ins Tal nach Cluses in eine Knochenflicker-Klinik geflogen. Astrid musste auf 1600 unseren eingeschneiten Campingbus flott kriegen, Schneeketten aufziehen und über steile, verschneite Serpentinen nach Cluses folgen. Als ich frisch operiert aus dem OP kam, war sie mit Samira da!
Man kann nicht behaupten, dass Astrid und Samira den Unfall-Schock von damals überwunden haben. Aber sie trauen sich heute am 7.1.2005 wieder mit mir in die Berge, in der Hoffnung, dass nun nichts Schlimmes mehr passiert!
Die Frage, die sie sich alle stellen - auch heute am 2. Jahrestag des "Knochensalats" von Flaine: "Kommt der da mit den demolierten, schief zusammen gewachsenen Beinen, den unzähligen, schmerzenden Narben und der kaum noch vorhandenen Kondition wirklich heil wieder runter?
Im kleinen Skigebiet CHRISTLUM am Achensee gibt es neben ein paar anspruchsvollen Skirouten und kurzen, schwarzen Pisten hauptsächlich rote Abfahrten, die von mir leicht zu bewältigen sind - auch wenn die Angst, dass die Beine nicht halten, anfangs "mitfährt".
Natürlich sind wir hier nicht komplett auf 2000 Meter zu Fuß hoch gelaufen, wo es doch jede Menge Liftanlagen gibt. Wir sind nur ein kleines Stück weiter aufgestiegen, um den wunderschönen Rundumblick zu genießen und zu fotografieren. Alex und Sina wollen sich - soweit möglich - im Tiefschnee talwärts bewegen. Samira, Astrid und ich bevorzugen lieber die präparierten Pisten.
Samira - Astrid - Gerd
Wo geht's? Wo reicht der Schnee? Wo treten wir kein Schneebrett los? Alex und Sina beratschlagen, wo's am besten abwärts geht!

Alex ist der beste Skifahrer unter uns und hat früher - vor seiner Snowboard-Karriere -Tiefschnee- und Tourenerfahrung gesammelt, auf die er heute beim Ski-"Comeback" zurückgreifen kann.
Auch beim Carven auf der planierten Piste macht er auf Anhieb eine gute Figur.
Sina fuhr in früher Kindheit Ski. Das war im Alter zwischen 4 und 10 Jahren. Danach hatte 15 Jahre lang das Snowboard absolute Priorität. Skifahren war doof. Das sich Sina heute wieder auf Skier stellt, das hat etwas mit ihrem Sportstudium zu tun, wo sie natürlich auch in diesem Metier beste Ergebnisse erzielen möchte. Und siehe da, es geht noch! Was man einmal als Kind gelernt hat, das vergisst man nicht mehr ....... und kann eines Tages wieder darauf zurückgreifen.
Bei der Abfahrt hier am 7.1.2005 versuche ich zu folgen und gute Fotos zu schießen!
Seit einigen Monaten besitze ich eine gute digitale Spiegelreflexkamera mit blitzschnellem Rechner (NIKON D 70). Diese Kamera eignet sich daher auch gut für schnelle Sportaufnahmen.
Natürlich fahre ich nicht nebenher und fotografiere! Dabei würde ich mir gleich wieder alle Knochen brechen. Nein, ich fahre vor, hole die Kamera an geeigneter Stelle aus der stoß- und wasserdichten Pelibox und hoffe, dass jeder so auf mich zufährt, dass gute Bilder zu machen sind.
Digitale Spiegelreflexkameras lassen sich genau so gut bedienen wie die herkömmlichen analogen SLRs. Hier stelle ich die Vollautomatik ab und gehe auf Zeit-Vorwahl. Denn ich benötige 1/1000 Verschlusszeit, damit die Fotos in der Vorbeifahrt der "Modells" scharf sind.
Bei Sportaufnahmen lassen sich auch die diversen Sonderfunktionen einer neuen Kamera nutzen wie Serienfotos, Best of- Auswahl u.ä. Was nachher nix taugt, das wird einfach kostenlos gelöscht.
Samira fährt seit ihrem 4. Lebensjahr Ski und Snowboard - eigentlich beides gleich gern! Und das finde ich gut so, denn ich lehne jede Art von Spezialisierung ab. Sport soll Freude machen und abwechslungsreich sein.
Das gute an der digitalen Fotografie besteht darin, das man die Bilder nachher am PC noch etwas bearbeiten kann, z.B. bessere Ausschnitte wählen als im Eifer des Gefechts auf der Piste.
Samira ist kein allzu gutes Fotomodell, da sie Angst hat, "volle Pulle" auf mich zuzufahren. Sie bremst lieber voher ab, da sie fürchtet, mich über den Haufen zu fahren!
Astrid hat diese Bedenken nicht, obwohl sie Wintersportarten eigentlich nie "richtig" gelernt hat. Als Kind hatte sie keine Gelegenheit dazu. Und auch später hatte sie keine Lust, irgendwelche Ski- und Snowboard-Kurse zu besuchen. Dafür macht sie aber trotzdem in der Regel eine gute Figur!
Heute fährt sie meine Kurzski, die ich mir vor 3 Wochen gekauft habe für den Fall, dass meine älteren Carver für meine kaputten Beine zu lang sein könnten. Waren sie aber nicht und so hatte ich noch ein nachträgliches Weihnachtsgeschenk für Astrid.
Verdammt, das war knapp. Ich hatte für Zehntelsekunden den Eindruck erwischt zu werden. Aber das geben meist die besten Fotos!

So, da stehe ich mit meinen demolierten Beinen und meiner Angst. Soll ich oder soll ich nicht? Was ist vernünftig? Bin ich hier falsch oder richtig? Natürlich fällt mir hier der alte Oma-Spruch ein: WER NICHT WAGT, DER NICHT GEWINNT! "Aber was gibt es beim Skifahren schon zu gewinnen?" werden Leute fragen, die nie dort oben waren und die Faszination erlebt haben.
Also, ich entschließe mich zu fahren! Nicht, um einen Blumenpott oder Pokal zu gewinnen. Quatsch! Es geht nicht um Sport! Es geht um mich, mein Selbstwertgefühl und mein Selbstbewusstsein!
Gut geht das nicht mehr! Meine Beine sind wirklich krumm zusammengewachsen, das rechte nach außen gedreht. Das heißt, der Ski fährt in eine nicht gewünschte Richtung. Und natürlich drücken auch die harten Schalenschuhe auf die zahlreichen Narben. Egal, ich will auf Skiern darunter, egal wie gut das geht!

Natürlich bin ich froh, wenn ich heil unten ankomme! Es wird noch lange dauern, bis die Unfallangst weg ist. Aber Pause machen ist auch schön. Und das mit dem Apré-Ski hat mir auch früher schon immer gefallen........
Sina schaut sich unten an, was beim Filmen talwärts raus gekommen ist
Orte zum Pause machen bieten sich heute in den Skigebieten an jeder Ecke an
Samira freut sich beim Aufstieg schon immer auf den Knödel nach der Abfahrt.
Alles wird gut!
Wieder unterwegs im winterfesten Extremmobil (siehe hierzu die Seite EXTREMMOBIL)
ICH HÖRE SIE SCHON VON WEITEM, DIE VORWÜRFE DER LEUTE, DIE WISSEN, WIE MAN SEIN LEBEN RICHTIG ZU GESTALTEN HAT. "UNVERBESSERLICH!" "UNVERANTWORTLICH!" "WER NICHT HÖREN KANN, MUSS FÜHLEN"! RECHT HABEN SIE! NUR: DIESE LEUTE GEHT MEIN LEBEN NICHTS AN!

Natürlich nicht! Die Natur ist stärker als der Mensch – auch wenn das viele Menschen nicht wahr haben wollen. Gegen viele Dinge - wie das Älterwerden oder tödliche Krankheiten – kämpft der Mensch letztendlich vergeblich.
Trotzdem: Willensstärke ist wichtig. Oft ist das Leben schwierig. Man fällt in ein Loch. Man hat einen Unfall, wird krank oder arbeitslos. Aus dem Loch muss man wieder raus, da hilft kein Jammern und Klagen. Ein Leben in Löchern ist elend! Wer will da schon ewig bleiben? Doch wieder raus kommt man nur mit Power, mit mentaler Stärke, mit einem starken Willen! Wer den besitzt, hat mehr vom Leben, komme, was da wolle!
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