
Nach schweren Erkrankungen mit stationären Krankenhausaufenthalten waren früher Erholungskuren und Rehabilitationsmaßnahmen (REHA) zur vollständigen Genesung üblich. Die Zeiten sind wegen Geldmangel der Krankenkassen längst vorbei. Auch die Krankenhausaufenthalte werden immer kürzer und oft noch ziemlich lädierte und hilflose Menschen schnellstmöglich wieder nach Hause geschickt. Bezahlt werden auf Antrag gelegentlich noch sogenannte „Anschlussheilbehandlungen“ direkt nach einem stationären Aufenthalt und viel zu knapp bemessene Sitzungen beim Kranken- oder Physiotherapeuten. Mir kommt das alles entgegen. Ich will das alles gar nicht. Ich hasse Krankenhäuser, Kliniken, Kurhäuser, Therapiestationen und Reha-Maßnahmen aller Art. Sobald ich irgendwie kriechen, Rollstuhl fahren oder humpeln kann, will ich nach Hause.
Nach meinen schweren Unfällen der letzten Jahre mit zahlreichen OPs (siehe die Seiten "Knochensalat" und "Chronische Sepsis") und körperlichem Siechtum hätte ich zum Wiederaufbau eigentlich diverse REHA-Aufenthalte nötig gehabt und sicher auch von der Krankenkasse bewilligt bekommen. Aber ich organisiere mir lieber

Meine REHA nehme ich am liebsten selbst in die Hand. Ich fühle, merke und weiß meist besser, was mir und meinem Körper infolge einer schweren Erkrankung gut tut. So stelle ich mir meinen eigenen REHA-Plan zusammen. Natürlich nicht, ohne Fachleute zu befragen! Aber mittlerweile bin ich selbst Fachmann, was meinen eigenen Körper betrifft.

Regel Nr. 1: Nicht hängen lassen, jammern und lamentieren.
Regel Nr. 2: So schnell wie möglich raus an die frische Luft.
Regel Nr. 3: Sofort alles wieder bewegen, was sich bewegen lässt.
Regel Nr. 4: Die körperliche Belastung in kleinen Schritten steigern.
Regel Nr. 5: Zweckoptimismus: Alles wird gut, nur nicht wie früher.
Regel Nr. 6: Schnellstmögliche Rückkehr ins Alltagsleben.
Nach einem Unfall mit 5 Knochenbrüchen in beiden Beinen (siehe die Seite „Knochensalat“) ist man körperlich auf dem absoluten Nullpunkt.Trotzdem: Noch während der Liegezeit ist Gymnastik möglich, um den zwangsläufigen Muskelschwund abzubremsen. Trotz Krankenbett und Schmerz sind Bewegung und Muskeltraining möglich, indem man alles bewegt, was sich bewegen lässt, zum Beispiel Oberkörper, Arme, Kopf. Aber auch die mehrmals gebrochenen Beine samt metallischem Flickzeug lassen sich bald schon wieder trainieren, egal wie minimal. Beinmuskeln regelmäßig an- und entspannen, Zehen bewegen, Beine heben, Knie anziehen usw.
Für meine persönliche REHA benutze ich anfangs die üblichen REHA-Instrumente: Noch liegend Gummibänder, Hanteln und eine genau einstellbare Kniebewegungsmaschine, später eine geliehene Bein- und Armbewegungsmaschine aus der MS-Therapie. Auch das selbständige Rollstuhlfahren stärkt wieder Kreislauf und Oberkörpermuskulatur. Sobald die Fäden gezogen und die OP-Narben verheilt sind, ist das regelmäßige, am besten tägliche Schwimmen angesagt. Und bald folgen Paddeln und Radeln in freier Natur. Damit kehrt auch der Spaß am Leben und die Arbeitsfähigkeit zurück. Die REHA ist geschafft! Folgen dann wie bei mir gesundheitliche Rückschläge (siehe Seite „Chronische Sepsis“), dann ist man zumindest gerüstet, um neue Krankheitsstrapazen besser zu ertragen.

3 Operationen in 13 Tagen: Am 29.7., am 5.8. und am 11.8.2004. Dieses Fahrradfoto entstand am Tag der Entlassung aus der BGU am 14.8.2004! Sowas geht, beugt Thrombose vor und hilft, Knochen und Muskeln wieder in Bewegung zu bringen.
Zum leichteren Auf- und Absteigen eignet sich am besten ein REHA-Damenfahrrrad, auch wenn's bescheuert aussieht.

Zum lustvollen sich Bewegen auf und im Wasser stehen mir ein See, Kanadier, Kajaks und Segelkatamaran zu Verfügung. Sowas ist mir lieber als irgendwelche Fitnesstrainer in kahlen Betonbunkern und Sole-Warmwasser-Rentner-Schwimmbecken

Das Laufen auf frisch operierten Beinen ist natürlich schmerzhaft und für längere Zeit nicht ratsam. Aber Paddeln geht auch ohne Beine!
Das Problem ist das Rein- und Rauskommen. Sitzt man erst mal drin, dann......
......ist das Paddeln im kippstabilen, bequemen PRIJON-COMBI ein Genuss für Körper und Seele! Es hilft, den Kreislauf wieder in Schwung zu bringen, Narkosegift auszuschwitzen und die Arm- und Oberkörpermuskulatur zu erhalten
Es ist natürlich hilfreich und gut, wenn man als REHA-PATIENT outdoors die notwendige Hilfe und Betreuung wie hier durch Tochter Sina und Freund Alex hat

Eine Woche nach der vorläufig letzten OP bekomme ich zur Abstützung der Pseudarthrose eine sogenannte Sandwich-Orthese, die genau an mein ladiertes Bein angepasst wurde. Die ist aus PE und wasserfest und kommt sofort zur Anwendung! (siehe hierzu auch die Seite "Orthese = Prothese?")
Mit der Orthese als Schienbeinstütze kann ich eine Woche nach dem Operationsdreiteiler in der Frankfurter Unfallklinik (siehe hierzu die Seite "Chronische Sepsis") am 17.8.04 wieder mit zum Segeln aufs Wasser!
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