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Der Aufbau einer schuleigenen Kanuflotte klingt auf den ersten Blick ganz super - doch dann geht es schon los mit den Problemen. Boote baut man zwar noch selbst oder lässt sie sich durch Sponsoren schenken, Geld zusammen betteln ist vergleichsweise einfach, Kanuanhänger auf dem Schulhof abstellen, das geht auch noch. Aber wo bringe ich ca. 25 große Kanus, 40 Paddel, 40 Schwimmwesten, 30 Packsäcke, 60 Tonnen, 15 Zelte, 15 Kocher und den ganzen Kleinkram unter, den ich für die Durchführung von Kanuprojekten in Klassenstärke brauche?  




Vor 3 Jahren wurde ein alter Schulpavillon der Kopernikusschule Freigericht durch einen Neubau ersetzt. Der alte Pavillon mit 8 Klassenräumen sollte abgerissen werden. Das war der Moment, in dem......                                                                                                                                                                          


........gehandelt werden musste. Ich räumte schleunigst alle Kanus in den alten Pavillon, um zu demonstrieren, wofür die Räume doch noch gut sind. Das heißt, der alte Pavillon wurde einfach "besetzt" und zum neuen Projekt-Workshop erklärt. Die Schulleitung spielte mit und damit war das Lagerproblem - vorerst - wunderbar gelöst!


Im "Bauch" der alten Schulbarracke - jetzt im pädagogen-neudeutsch als "Projekt-Workshop" verkauft - verschwinden jede Menge Kanus und Zubehör. Zwar geht nichts durch die engen Türen, aber die Fenster als "Ladeluke" tun es auch!


Das Be- und Entladen der gesamten Kanuprojekt-ausrüstung geht so praktisch und schnell. Vorher musste die Ausrüstung in dunkle, enge, schmutzige Kellerräume verstaut werden. Da machte die Arbeit keinen Spaß. Aber jetzt flutscht alles wie am Schnürchen. Doch wie lange noch? Die Kopernikusschule Freigericht wird demnächst Ganztagsschule und so eine Einrichtung braucht dringend eine Schüler-Kantine. Und die soll/muss genau dort hin, wo jetzt noch der "Projekt-Workshop" steht. Klar, da nutzen alle neumodischen Worthülsen nix, das Ding wird demnächst doch abgerissen! Und dann steh' ich mit meinen Booten wieder auf der Straße! Oder? Irgendwas wird uns einfallen!




Anfangs wurden einige Kanus aus Sperrholz selbst gebaut, dann kamen öffentliche Gelder und die ersten 10 Old Town - Kanadier samt Kanuanhänger ......




Ein weiteres Wachstum der Schulkanuflotte kam durch das Kassel-Family-Sponsoring der Firma PRIJON zustande. Gerd Kassel stellt bei Bedarf seine eigene Kanuflotte samt Kanuanhänger dem Schulkanuprojekt zu Verfügung. Bedarf ist fast immer! Die Durchführung von schulischen Kanuprojekten im Klassenverband setzt Idealismus voraus.


Es kostet viel Arbeit, eine vollständige Kanuausrüstung zusammen zu "betteln". Aber es ist genau so schwierig, sie zu erhalten. Ständig fehlt was, muss repariert oder erneuert werden. Ständig wird neues Geld benötigt. Daher ist eine bescheidene Leihgebühr durch die Schülerschaft zu entrichten




Gepäcktonnen (blau) und Essenstonnen (weiß) müssen gelegentlich gründlich gereinigt und notfalls auch desinfiziert werden




Schwimmwesten, Zelte und Tarps kommen oft nass von einer Tour zurück und müssen zum Trocknen aufgehängt werden




Die Teilnahme am Wahlpflichtkurs "KANUFAHREN" wird von den Schülern aus mehreren Angeboten angewählt. Die Teilnahme wird durch Unterschrift der Eltern verbindlich und schließt auch die kostenpflichtige Teilnahme an einem Mehrtagesprojekt ein




Der WPU-Unterricht findet 2 Stunden in der Woche statt und beinhaltet nicht nur Reinigungs- und Flickarbeiten, sondern auch jede Menge fachübergreifenden, projektvorbereitenden und begleitenden Unterricht.........




Im Projekt-Workshop befindet sich auch noch ein einigermaßen passabler Unterrichtsraum, in dem Touren vorbereitet, Kocher getestet und Paddeltheorie betrieben werden kann


Die Visualisierung, bzw. Veranschaulichung von projektrelevanten Themen (hier BIWAKIEREN und SCHLEUSEN) findet im WPU-Unterricht statt


Wie sich Achtklässler der Hauptschule eine Kanugepäcktour vorstellen......




Im Projekt-Workshop finden auch nach jeder Tour aktuelle Fotoausstellungen für Besucher und neue Teilnehmer statt


Es dürfte klar werden, dass die Institutionalisierung von Kanuprojektunterricht in der Schule viel Initiative, Idealismus, Arbeit, Geld und Raum braucht, um zu funktionieren!

 
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